Mein neuer Umgang mit Social Media

Für jeden bedeutet Social Media sicher etwas anderes. Da gibt es die, die gerne permanent neue Fotos von sich selbst posten, in diversen Lebenslagen und Posen, jene, die über sich schreiben, die nächsten wollen diskutieren und ihre Meinungen austauschen, wieder andere wollen einfach nur beobachten und mitlesen, selbst aber kaum etwas von sich posten und schließlich jene, die schlicht und einfach nur attackieren und motzen wollen oder noch weiter gehen!

Meine Rolle bei Instagram (IG) sehe ich zwiegespalten, weshalb ich zwei Profile dort habe. Das eine zeigt Fotos aus meinem Smartphone, das ich (fast) immer bei mir habe und mit dem ich einen Tag dokumentieren möchte. Auf dem anderen Profil veröffentliche ich Bilder meiner FotoTouren, für deren Bearbeitung ich mir sehr viel Zeit nehme und die ein Portefolio meiner Arbeit in diesem Bereich darstellen sollen.

Auch auf Twitter bin ich mit zwei Profilen vertreten. Das eine nutze ich, meist in Kombination mit dem parallelen IG-Profil, für meine Foto-Arbeiten, das andere ist wieder eher privater Natur. Dort schreibe ich meine Meinung zu politischen und gesellschaftlichen Themen, lese aktuelle Nachrichten und unterhalte mich mit anderen Usern/innen.

In den letzten Tagen überlegte ich, ob ich mit dem privaten Twitter-Profil nicht aufhören soll. Es kommt zu wenig Resonanz auf meine Tweets und ich habe das Gefühl, meine Meinung interessiert eh niemanden. Bei über 600 Followern/innen finde ich das manchmal schon deprimierend. Dann frage ich mich: Warum folgen mir soviele Menschen, wenn nur selten mal eine Reaktion kommt?

Nicht falsch verstehen, ich bin deshalb nicht depressiv-gefährdet 😆 , aber ich kapiere nicht, wie andere das “social” in dem Begriff Social Media verstehen. Und scheinbar bin ich damit nicht allein. Gestern las ich einen Tweet von der TV-Moderatorin Dunja Hayali, die sich auf einer anderen Ebene über das Verhalten ihrer Follower/innen wundert:

für mich das problem an und mit twitter:

inhaltliche, positive, verbindendende tweets erhalten kam aufmerksamkeit.

hass, hetze, spaltung, polemik, zuspitzung, übertreibung & co um so mehr…

sehe immer weniger sinn in Twitter wie sehen sie das?

#twitter #sinnhaft #on #off

Tweet von Dunja Hayali

Kurz drüber nachgedacht, mit meinem eigenen Empfinden abgeglichen und geantwortet (keine Antwort bekommen 😆 ).

Dann bei anderen Usern geschaut, die eine Followerzahl in vierstelliger Höhe haben, wie die Resonanz auf deren Tweets ist. Niedrig, oft im unteren, zweistelligen Bereich, egal, ob die Inhalte ergiebig und für die Allgemeinheit interessant sein könnten oder eher belanglos. Das gilt für Twitter, bei Instagram sieht das anders aus.

Erzeugt also Gemotze, Kritik und Provozierendes eher die Aufmerksamkeit der Leute? Anscheinend und wenn das so ist, folgen sie einem also gar nicht, weil sie die Person interessant finden oder das, was er/sie im Allgemeinen so schreibt, sondern weil jemand ein Krawall-August ist???

Die andere Seite ist die unserer eigenen Erwartungen, wenn wir Content-Producer in den sozialen Medien sind:
Nehmen wir uns alle zu wichtig? Achten wir nur noch darauf, wie andere auf unsere Meinungen und Äusserungen reagieren und formen so sogar unsere Inhalte danach, nur um mehr Klicks zu bekommen? Erwarten wir nicht zuviel, erst recht, wenn meiner Erfahrung nach, die meisten User bei Twitter eh nur lesen, selten aber reagieren oder antworten, sondern dieses Medium vielmehr als „virtuelle Zeitung für den Unterhaltungsbereich“ zu nutzen scheinen?

Als ich mit Twitter begann, schrieb ich einfach nur, was mir spontan einfiel und was ich der Welt mitteilen wollte. Wenn jemand reagierte freute ich mich, war aber nicht die vorrangigste Sache für mich. Hin und wieder entwickelte sich eine Kommunikation, die dann endete, wenn die (damals) 140 Zeichen eher Missverständnisse erzeugten, als Klärung brachten. Sogar neue Menschen kennenlernen war selten, aber machbar.

Heute posten wir oft etwas und wundern uns dann, wenn auf einen (gefühlt) guten Inhalt keine Reaktion erfolgt. Ich auch! Bis gestern! Bis zu dem Tweet von Dunjy Hayali!

Er brachte mich zum Nachdenken, denn auch ich hatte ja erwogen, mal wieder, wegen der Inaktivität meiner über 620 Follower bei Twitter, dieses Profil zu löschen. Nach über 50.000 Tweets aus den letzten 10 Jahren!

Dunja Hayali ist eine öffentliche Person und will mit ihren Tweets offenbar etwas bewegen. Ihre Inhalte haben ein Ziel, das, aus ihrer Sicht, offenbar nicht so beachtet oder gewürdigt wird, wie sie es sich wünscht. Hinter dieser Äusserung muss keine Eitelkeit und kein Eigeninteresse stecken, sondern vielleicht die erschreckende oder enttäuschende Erkenntnis, dass wir es in Deutschland mit einer müden, inaktiven, passiven Mehrheit zu tun haben, die sich bei schrecklichen News kollektiv aufregt (weil es der Nachbar auch so macht oder es gerade Trend in den Nachrichten ist!), im Einzelfall vor dem heimischen PC aber entweder ganz anders denkt oder sich eher bedeckt halten möchte. Aus welchem Grund auch immer.

Zuviele Leute sind in den sozialen Medien eher inaktiv, aber sie wollen „dabei sein“! Manchmal ist es auch die Neugier: Was macht der/die wohl auf Twitter/Instagram/Facebook? Muss ich doch mal nachschauen! Dann wird alibimäßig und nicht aus Überzeugung oder Spaß an der Sache, einmal in der Woche oder im Monat einen Tweet abgesetzt, den auch die Nachbarin meiner Omma hätte schreiben können und dessen Inhalt so belanglos für all jene ist, die eben jeden Tag die Nachbarin ihrer Omma treffen!

Auch ich machte mir nun Gedanken darüber, was ich ändern müsste und ich stellte mir zur Analyse ernsthaft die Frage:

Welchen Sinn haben meine Accounts bei Twitter, Instagram & Co? Ist es Zeitverschwendung oder kann die dort investierte/verbrachte Zeit noch etwas bringen? Und wenn ja, wie?

Zunächst dachte ich „Nein, eigentlich bringt es mir nichts mehr, dort weiter zu posten! Aber aufgeben nach über 50.000 Tweets? Oder weil ich beim anderen Profil zu wenig Feedback auf meine Fotos bekomme und die Followerzahl überhaupt nicht steigt???“

Ich kam zu dem Schluss, dass ich, in meiner momentanen Situation des Umbruchs, diese Medien vielleicht falsch nutze, vielleicht auch falsch verstehe. Aus meinen jahrelangen Erfahrungen in den sozialen Medien, fasse ich mal zusammen, welche Fehler ich eventuell aktuell mache oder welche Denkweise bisher hinter meinen Aktivitäten steckte:

  • fehlende Kontinuität bei dem ein oder anderen Account
  • der Wunsch nach mehr Feedback
  • die meisten Leute wollen unterhalten werden
  • meine Inhalte treffen nicht das Interesse meiner Follower

Schließlich kam ich zu dem Ergebnis, dass ich meine Accounts weiter halten möchte, aber mit einem ganz anderen Anspruch an die Sache heran gehen werde:

Ich schreibe bei Twitter & Co einfach nur noch für mich. So, wie ich es früher auch schon tat, ganz ohne Erwartungen an andere User/innen. Die Tweets als eine Art Tagebuch-Eintrag zu verstehen, eher für mich selbst, als für andere, finde ich sinnvoller. Also einfach ‚Back to the Roots‘. So begann ich damals auf Twitter und so mache ich es ab sofort auch wieder.

Bei meinem Foto-/Medien-Account überlege ich mir intensiver, wie ich die geposteten Inhalte besser präsentieren kann, damit sie mehr Aufmerksamkeit erzeugen und ich mehr in Kontakt mit den Followern treten kann. Denn gerade DAS würde ich mir bei meinem Fotografie-Account wünschen. Dort suche ich tatsächlich einen sinnvollen Austausch und auch neue, persönliche Kontakte, die für diesen Bereich gerne über das Virtuelle hinaus gehen dürfen!

Bei Instagram poste ich wieder kontinuierlicher und ziehe meine Beiträge professioneller auf, so wie es eigentlich auch mein Anspruch ist, wenn ich hochwertige Inhalte veröffentliche. Ich werde intensiver recherchieren, welche Hashtags sinnvoll sind, werde den ganzen Upload-Vorgang besser strukturieren und mir Apps suchen, die mich dabei unterstützen. Auch werde ich wieder mehr kommunizieren und sinnvolle Kommentare bei anderen Usern posten. Denn Instagram ist mir wichtig. Dort will ich auf meinen Fotografie-Bereich aufmerksam machen und herausfinden, wo ich stehe. Langfristig möchte ich ihn schliesslich nach und nach auf professionellere Beine stellen und in Instagram sehe ich eine interessante Plattform für Kontakte und einen guten Austausch, weshalb IG für mich eigentlich immer wichtiger wird, als Twitter.

Das alles wird mehr Zeit kosten und Arbeit machen und ich bin gespannt, wie sich diese Investition, und ob überhaupt, auszahlen wird! Wie immer gilt: Hast du es nicht versucht, findest du nie heraus, ob es anders besser klappt 😉 .

Und wie siehst Du Twitter, Instagram & Co? Für welchen Bereich bringen die Social Medias Dir etwas? Macht es Dir Spaß, dort etwas zu posten und welche Erwartungen hast Du dabei?