Die GOLD BahnCard ist eine klasse Gelegenheit, kostenlos andere, entferntere deutsche Städte zu besuchen, die ich entweder immer mal besuchen wollte oder die eh zu meinen Favoriten zählen. Erkämpft sich Deutschland bei den Olympischen Winterspielen 2014 eine Goldmedaille, so kann der Inhaber einer GOLD BahnCard am Folgetag innerhalb von Deutschland kostenlos mit ICE/EC/IC quer durchs Land fahren.

Hauptbahnhof BerlinZwei Goldmedaillen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, bedeuteten die Möglichkeit, eine Übernachtung bei dem Besuch einer weiter entfernten Stadt einzubauen. Neben München und Dresden, kam dabei für mich eigentlich nur Berlin in Frage und so fuhr ich am Montagnachmittag sehr spontan einfach mit dem ICE in die Bundeshauptstadt. Da ich aufgrund der Kurzfristigkeit keinerlei Planungen im Vorfeld der Reise machen konnte und das gezielte Aufsuchen von Sehenswürdigkeiten damit nicht möglich war, setzte ich mir als Bedingung für den Besuch, so wenig Geld auszugeben und soviel von Berlin zu sehen, wie möglich.

Berlin gehörte lange wirklich nicht zu meinen Lieblingszielen unter den deutschen Städten. Nach diesem Besuch allerdings, das muss ich gestehen, entwickle ich langsam Sympathien für die deutsche Hauptstadt.
Hauptbahnhof BerlinSeit meinem letzten Aufenthalt dort, hat sich so immens viel verändert. Überall wurde spürbar gebaut, verändert, immer noch wird gebaggert, umgebaut, neu gestaltet, modernisiert. So wie es zur Zeit Bochum geht, wo eigentlich kein Geld vorhanden ist, aber scheinbar jede Straße aufgerissen und erneuert wird, so ist es wohl auch in Berlin. Ob zu Wasser oder auf dem Land, Baukräne und Bauzäune bestimmen vielerorts dasBaustelle nahe der Museumsinsel Bild der Stadt. Was mich jetzt vielleicht hier und da noch nerven mag, bringt in Zukunft Neues und Spannendes für einen nächsten Besuch hervor. Anderes, wie der Neubau des Berliner Stadtschlosses, halte ich persönlich allerdings für absoluten Blödsinn.

Was mir bei meinem Besuch an den Menschen positiv auffiel: Viele lächelten oder hatten einen zufriedenen, fröhlichen Gesichtsausdruck und glaubt mir: Wer aus dem Ruhrgebiet kommt und die Muffelköppe dort kennt, hat ein besonders sensibles Empfinden für derartiges Anderssein 😆 ! Nun könnte ich böse sein und behaupten, es lag daran, dass einige U- und U55 - Die KanzlerbahnS-Nutzer/innen Bierflaschen in der Hand hielten :mrgreen: , aber nein, auch am zweiten Tag fiel mir die sichtbare Zufriedenheit im Berufsverkehr auf. Dazu passt auch der Hinweis eines Twitter-Kollegen, dass der Flirt-Faktor im ÖPNV spür- und sichtbar hoch ist. Vielleicht war DAS das Lächeln und die Zufriedenheit, die ich bemerkte und hier beschrieb. Und nicht nur das. Auch fand ich die Menschen in Berlin wesentlich rücksichtsvoller und geduldiger, was sich besonders im Trubel an den Bahnhöfen zeigte. Schön.

Moderne Bahnstation Brandenburger TorDie Stadt kam also „sympathisch“ rüber und alles andere als „arm“. Dennoch fielen mir noch einige Defizite auf: So sind die S- und U-Bahnhöfe dort, wo besondere touristische Attraktionen zu Klassische Bahnstationfinden sind, wesentlich gepflegter und moderner, als in manchen Vororten und vom Stadtzentrum entfernter liegenden Stadtteilen. Und manchmal ist es so, dass ein Aha-Effekt, z.B. beim S-Bahnhof aufkommt, während man sich gruselt, wenn man den weniger Meter entfernt liegenden U-Bahnhof betritt (z.B. Yorckstraße).

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Eines ist jedenfalls ganz ausgezeichnet: Die Infrastruktur des öffentlichen Personen-Nahverkehrs. Ein weiteres Ziel, das ich mir setzte, in etwa 18 Stunden möglichst viele SehenswürdigkeitenÜber Geschmack lässt sich streiten...Ausstattung einer Bahn abzuklappern, ohne dabei in die informative Tiefe gehen zu wollen. Sichten, fotografieren, twittern, das sollte es sein. Mehr nicht. Mit dem ausgezeichneten und schnellen U- und S-Bahn-Netz, gelang das optimal! Über den Zustand des ein oder anderen Zuges sollte man sich nicht wundern (versifft, besprüht, veraltet), aber dieser Zustand begegnet mir im Ruhrgebiet ebenso.

Was die Kosten angeht, so habe ich die tatsächlich im Griff halten können.
Protest gegen Russland`s Diskriminierungsgesetze gegen HomosexuelleDie Bahnfahrt war aufgrund der GOLD BahnCard kostenlos, wenn ich mal die Anschaffungskosten in Höhe von 25,00 € außer Acht lasse (das wird ja nicht die letzte Fahrt bleiben, abgerechnet wird also nach den Olympic Games 2014).
Die Übernachtung schlug mit 11,00 € zu Buche. Wer sich nicht scheut, eine Übernachtung völlig anspruchsfrei zu riskieren, auf Bequemlichkeit verzichten und mit anhaltender, nächtlicher Eingangstür zur "Boiler"-SaunaDauerbeschallung mit Teccno-Musik leben kann, der begibt sich an einem Montag in die Männer-Sauna „Boiler“ (Mehringdamm 34, liegt nur wenige Meter von der gleichnamigen U-Bahn-Station entfernt). Dort ist dann nämlich Partnertag und der Eintritt kostet schlappe 11,00 € pro Person. Einfach vor dem Eingang warten, man ist selten der Einzige, der allein dorthin geht 😉 Dafür kannst Du bis morgens um 6:00 Uhr in der Sauna bleiben, in einer abschließbaren Kabine schlafen, natürlich inkl. Dusche für den Start in den Tag 🙂 . Zack, Nacht günstig geschafft!

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Das Abendessen am Vortag hatte ich als Marschverpflegung mitgenommen: Dick belegte Baguettebrote mit Schinken, Tomate und Salat. Zum Frühstück gab es ein Croissant, ein Brötchen und einen Kakao, alles nicht viel teurer, als zu Hause.

Bundeskanzler(innen)-Amt

Das Mittagessen besorgte ich mir bei Lidl. Wenn man mit der Bahn durch Berlin und die Stadtteile fährt, findest Du immer einen Supermarkt. Ein Salat mit Schinken, Käse und Dressing für 1,69 €, dazu ein Brötchen und Du bist satt. Soweit zur Verpflegung…abgehakt!

Hauptverwaltungsgebäude der DB

Wer Berlin erkunden möchte, muss sich Gedanken darüber machen, auf welchem Weg er das will. Ich finde, wie in jeder Großstadt, kommt man am einfachsten und schnellsten mit dem ÖPNV voran. In BerlinIMAG3453 liegen die meisten touristischen Attraktionen nah an einem S- oder U-Bahnhof, ideal für ein Tagesticket für 6,70 € mit dem man den größten Teil Berlins abfahren kann (Zonen A und B). Wichtig fand ich noch einen kleinen Stadtplan und die Übersicht über das Streckennetz des VBB. Damit kommt Ihr gut überall hin. Die Ausschilderungen zu den Linien des VBB in den einzelnen Stationen und Bahnhöfen ist gut verständlich und meist übersichtlich.

Fernsehturm Berlin, der AlexWer mindestens 48 Stunden bleibt, sollte sich die „WelcomeCard“ (KLICK) für ab 18,50 € besorgen. Kommt man mit dem ICE im Hauptbahnhof Berlin an, gibt es die „WelcomeCard“ (Fahrschein, 200 Rabatt-Angebote, Stadtplan und Guide), aber auch das Tagesticket für den ÖPNV, sowie natürlich weitere Infos zu Sehenswürdigkeiten und aktuellen Veranstaltungen, bei der Tourist-Info im unteren Bereich des Bahnhofs.

BahnWer, wie ich, wenig Zeit hat, aber viel sehen will, startet ab Hauptbahnhof mit der „Kanzlerbahn“, der U55. Die findet Ihr, wenn Ihr den U-Schildern folgt. Praktisch, dass die U55 in sehr kurzen Zeitabständen fährt. Zwar bedient sie nur drei Haltepunkte (neben dem Hauptbahnhof noch den Reichstag mit Bundeskanzler(innen)-Amt und schließlich das Brandenburger Tor), aber damit habt Ihr das politische Berlin schon so gut wie erkundet. Die Streckennetzkarte führt Euch dann zu weiteren, wichtigen Sehenswürdigkeiten in Berlin, die vielen Bahn-Haltepunkten ihren Namen geben (Potsdamer Platz, Kudamm etc.).

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Weitere interessante Anlaufpunkte in der Stadt, seht Ihr ja auf den Fotos hier im Blog-Bericht. 🙂

Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin

Marienkirche mit Martin Luther-Statue

Reichstag mit Deutschlandflagge