Der Christopher Street Day 2019 in Köln ist Geschichte und wieder liegt ein bunter, vielfältiger und spannender CSD mit einer Rekord-Besucherzahl von fast 1,2 Millionen Menschen hinter mir. Ein Jahr Vorfreude und dann ist alles (wieder) so schnell vorbei… 🙄

Kölner Dom

Was für andere Weihnachten, Silvester oder der Karneval ist, ist für mich alljährlich das größte Treffen der LGBTIQ (steht für Lesbian Gay Bisexual Trans Intersex Queer) -Community in Europa am ersten Juli-Wochenende. Spaß haben, Party feiern, demonstrieren, Leute sehen und, bei etwas Glück, auch neue Kontakte knüpfen, das macht das Wochenende in der Domstadt am Rhein für mich so erlebnisreich.

Deutzer Brücke, Köln, schwarz-weiss Foto

Dieses Jahr begann mein CSD-Weekend am Freitag. In erster Linie fuhr ich an dem Tag zum Fotografieren nach Köln, wollte aber auch um 18:00 Uhr gerne die Eröffnung des Straßenfestes miterleben. Abends ging es wieder zurück nach Bochum.

Heumarkt in Köln zum Pride Cologne 2019 - vor der offiziellen Eröffnung des CSD

Es war interessant, die Stadt im Vorfeld eines CSD, einmal leer zu erleben und auf den Plätzen und Straßen in Ruhe schlendern zu können, bevor ich, nur ein paar Stunden später, Teil der Besuchermasse geworden war, die die zahlreichen Veranstaltungen live erleben wollte.

Nach dem offiziellen Start des Straßenfestes und meinem ersten Kölsch auf dem Heumarkt, besuchte ich die Pop-Up-Foto-Ausstellung „BOYS! BOYS! BOYS!“ in der Galerie Biesenbach (KLICK). Viele interessante und einige wirklich schöne Fotos mit Jungs und Männern, oft in Schwarz-Weiss, viele als Akt, waren in edle Rahmen gepackt und konnten käuflich erworben werden. Bei den Preisen allerdings schluckte ich nicht selten und manch ein Foto erschien mir, aus meiner künstlerischen Sicht, arg überbewertet. Aber in diesen Fällen zieht wohl auch der Name des Fotografen 😛 und bei „Kunst“ ist es oft ja auch Geschmackssache 😉 .

Am Samstag ging es nach dem Training gleich wieder nach Köln.

Blick in die Altstadt von Köln aus meinem Hotelzimmer
Blick aus meinem Hotelzimmer in die Kölner Altstadt

Mein Stamm-Hotel hatte ich bereits im letzten Jahr gebucht und ich freute mich sehr auf ein frisch renoviertes Hotelzimmer. Erwartungsgemäß gab es keine Enttäuschung, allerdings…auch in diesem Jahr funktionierte der kleine Minibar-Kühlschrank nicht so, wie es sein soll! Ein altbekanntes Problem 😆 . Die Lage des Hotels ist und bleibt einfach phänomenal: Durch kleine Gassen bin ich schnell am Rhein, auf der Deutzer Brücke, auf dem Heumarkt und an meiner Kölner Lieblings-Pizzeria 🙂 . Idealer geht es von der Lage her nicht.
Wen es noch interessiert: Die Klima-Anlage funktionierte einwandfrei und hielt die anfängliche Hitze aus den Räumen heraus. Die Matratze oder vielleicht war es auch einfach nur das flach einfallende Kissen, bescherten mir zwei kurze und recht unruhige Nächte. Zudem habe ich seit der Übernachtung im Hotel Schulter- und Verspannungs-Probleme im Rücken, was mich dazu bringt, mit dem Training zu pausieren. Das ist schon sehr ärgerlich und zum ersten Mal für mich ein Argument, mir wohl mein eigenes Kissen mitzubringen oder es im nächsten Jahr vielleicht mit einem anderen Hotel zu probieren :-/ . Möchte ich aber eigentlich nicht…
Das Frühstück (für 11,00 €) ist gut und hat alles, was ich zum Start in den Tag benötige. Kein Luxus (z.B. Lachs, Champus), kein Schnickschnack, aber eine gute Basis-Auswahl in Sachen Müsli, Brot/Brötchen, Wurst, Käse, Marmelade und Getränken. Soviel zum Hotel.

Hauptbühne des Cologne Pride 2019 in Köln, CSD
Hauptbühne des Cologne Pride 2019 (CSD) auf dem Heumarkt in Köln

Der Samstag ist für mich immer der Tag, an dem ich Einkäufe erledige und das Straßenfest checke. Auf dem Heumarkt und dem Altermarkt finden auf den Bühnen Auftritte von Künstlern und Politikern statt, denen das feiernde Publikum bei einem kühlen Kölsch applaudiert bzw. singend und schunkelnd folgt. Eine stets entspannte Stimmung 🙂 .

Abends finden auf dem Heumarkt die „Kerzenlichter gegen das Vergessen“ statt, eine Gedenkminute zur Erinnerung aller an AIDS verstorbenen Freunde und Angehörige. Beeindruckend, wenn trotz tausender Besucher/innen, für einen Moment fast absolute Stille auf dem großen Platz herrscht und in der Dunkelheit tausende Kerzen in den Händen der Anwesenden leuchten. Gänsehautfeeling!
Leider konnte ich dieses Jahr diesen Moment aus Zeitgründen nicht erleben.

Die offizielle Main-Party, die SEXY, ist für mich einer der absoluten Höhepunkte des CSD. Auch in diesem Jahr fand sie wieder im Bootshaus, dem besten Club Deutschlands 2019 und achtbesten der Welt, statt. Beeindruckend! Nicht nur von der Location her, wo auch dieses Jahr wieder Imbiss-Stände und diverse Fahrgeschäfte aufgeboten wurden, um für Unterhaltung auch jenseits der Tanzfläche zu sorgen.

Männer! Ja, viele halbnackte Männer gab es zu sehen! 😛 Der überwiegende Teil körperlich attraktiv und gut gestylt 😉 . Wird dann aber auch, je mehr es sind, inflationär, heisst, ich schaue dann lieber auf jene, die noch angezogen sind und Ähnliches zu bieten haben. Fantasie, u know?! 😆 Allerdings erschien mir in diesem Jahr der Anteil der Angezogenen, gegenüber den Jahren zuvor, gestiegen zu sein. Die Musik war wieder abwechslungsreich und um 01:00 Uhr startete dann die Boys-Performance mit einer geschmackvollen und schon sehr erotischen Tanz-Einlage auf den Bühnen an der Tanzfläche 🙂 .

Der Sonntag ist D E R Tag des CSD: Die Parade des Cologne Pride zieht mit tausenden von Teilnehmern/inen durch die City von Köln!

In der Nacht nicht viel geschlafen: Spät im Hotel und recht früh wieder wach, aber egal…die Parade stand an und das hieß, 12:00 Uhr spätestens auf der Deutzer Brücke sein…inklusive trinkbarer Verpflegung…alkoholhaltig natürlich, was sonst?!

Blogger Chris mit Freundin Karin

Um 11:00 Uhr Freunde treffen, die morgens mit dem Zug angereist waren und dann etwa 3 Stunden Spaß haben, den Paradewagen, den Tanzgruppen und allen Teilnehmern/innen des langen Zuges, zujubeln oder zuschauen, hin und wieder etwas Geworfenes fangen, meist aus Gummi, ob Kondom oder Weingummi 😆 und mit der Präsenz am Straßenrand die Veranstaltung und die Forderungen der Demo unterstützen!

Dieses Jahr soll die Parade satte 5 Stunden gedauert haben. Wir gaben nach etwas mehr als 2,5 h auf und bewegten uns zur Tanzbühne. Die war allerdings so voll, dass kaum ein Durchkommen möglich war und auch auf dem „Parkett“ selbst, war wohl kaum eine Bewegung möglich.

Eine weitere interessante Möglichkeit für mich als Fotografen, die ich sonst immer für mich nutze, ist der Besuch der Domplatte. Dort endet die Cologne PrideParade und schrille Darsteller aus dem Zug präsentieren sich alljährlich vor dem Dom den Fotografen. Fiel diesmal bei mir auch aus, aber 2020 dann wieder 🙂 .

Dafür schoss ich während des Sonnenuntergangs noch ein paar Fotos auf der Deutzer Brücke vom Dom und der Hohenzollern-Brücke. Das sind bei dem herrlichen Licht immer willkommene Objekte.

Abschluss-Kundgebung des Cologne Pride 2019 CSD in Köln auf dem Heumarkt
Abschluss-Kundgebung des Clogne Pride CSD 2019 in Köln auf dem Heumarkt

Zum Abschluss besuchte ich noch einmal den Heumarkt, wo um 22:00 Uhr der Christopher Street Day offiziell beendet und die Besucher verabschiedet wurden. Allerdings, so erzählte mir ein Bekannter, wurde dann noch lange in den Kneipen und Clubs der Schaafenstraße (Nähe Rudolfplatz) gefeiert. Wer also dann noch nicht genug hatte… 🙂

Der entspannte Montag…

…ist mein Tag zum Ausklingen. Nach einem reichhaltigen Frühstück im Hotel, streife ich noch einmal (mit der Kamera) durch die Stadt. Auf den Plätzen wird abgebaut und aufgeräumt und da ist sie wieder, die Stille, die ich am Freitag vor Beginn des CSD in der Stadt erlebte. Alles ist wieder wie vorher, aber der Kopf ist voller Erinnerungen und Erfahrungen…überwiegend schön und deshalb ist es auch ein Grund, mich 2020 wieder auf dieses erlebnisreiche und fröhliche Weekend einzulassen 😉 .

Happy Pride ! 😉

P.S.: Die meisten Fotos dieser Seite wurden mit meinem Smartphone erstellt.

Quelle des Videos: RP Online

Und…warst Du auch am Wochenende zum CSD in Köln? Was hast Du erlebt, wo warst Du unterwegs? Hast Du (fürs nächste Jahr) noch einen spannenden Tipp? Schreib`… 🙂