Filmkritik: WO WILLST DU HIN, HABIBI?

Der aktuelle Film der monatlichen schwulen Filmreihe HOMOCHROM mit dem Titel „Wo willst Du hin, Habibi?“, beleuchtet das Leben eines türkischstämmigen, jungen, schwulen Mannes in Berlin. Trotz eines erfolgreich abgeschlossenen Studiums, findet Ibo (Ibrahim) keine Anstellung, was nachweislich an seiner Herkunft liegt. Aber Ibo hat auch noch andere Probleme: Er ist schwul, arbeitet in einem Erotik-Shop mit Pornokino und wird auch noch innerhalb der Familie durch seine Schwester, die ihm nachspinoniert, geoutet. Dann verliebt sich Ibo zudem in den kriminellen Hetero Alexander, was zu weiteren Komplikationen führt.

Wo willst Du hin, Habibi?“ ist alles andere, als ein tiefschürfender Problemfilm, auch wenn es sich nach dem Lesen meiner ersten Zeilen so anfühlen mag.

Ibrahim ist ein starker Charakter und Selbstzweifel werden recht schnell eliminiert. Er geht mit seinem Schwulsein fast natürlich um, auch wenn er sein Doppelleben innerhalb der Familie für nötig hält. Sein Freund geht aus beruflichen Gründen nach Skandinavien. Zufällig trifft Ibo auf Alex, einen Hetero-Mann, dessen Leben alles andere, als in geordneten Bahnen verläuft. Ibo rettet Alex gleich zweimal das Leben und Alex lernt die Liebe zu einem Mann kennen, ohne sich der Homosexualität hinzugeben (auch wenn er sich, mangels eigenhändischer Möglichkeiten, von Ibo oral verwöhnen lässt 😆 ).

(ACHTUNG SPOILER: nein, das wird nicht in aller Deutlichkeit gezeigt, sorry, kein Grund, nur für diese Szene ins Kino zu Laufen! 😛 )
SPOILER ENDE

Dass Alex eine „Frau aufreisst“, bringt eine Distanz zwischen die beiden Männer, ohne dass es eine dramatische Eifersuchtsszene gibt. In der Folge stürzt sich Ibo in eine neue, schwule Beziehung. Ja, das Leben geht auch einfacher, aber dann wäre es ja kein Grund für einen Film 😉 !

***** WERBUNG *****

ab dem 21.April 2016 schon als DVD zu kaufen!

***** WERBUNG ENDE *****

Das alles und noch viel mehr, passt in nur 76 Minuten Film. Umgehauen hat mich das Werk des Regisseurs Tor Iben nun wirklich nicht, aber schaut man über schlecht aufgenommenen Ton, den ein oder anderen amateurhaft gesprochenen Dialog und eine flach bleibende Handlung mit Friede-Freude-Eierkuchen-Mentalität hinweg und schreibt es entschuldigender Weise einem vielleicht schwachen Budget zu, bleibt der Film, bei aller Kritik, ein unterhaltsames, teils witziges, teils sehr gut gespieltes Werk, letzteres insbesondere dann, wenn die beiden Hauptdarsteller aufeinandertreffen. By the way…auch deren Körper sind sehenswert 😉 !

FAZIT:

Wo willst Du hin, Habibi?“ bleibt damit ein Wohlfühl-Film, der ganz selten ein wenig Traurigkeit aufkommen lässt, ansonsten aber dafür sorgt, dass man(n) am Ende mit einem guten Gefühl, wenn auch etwas angekitscht vom glatten Ablauf des Lebens der beiden Protagonisten, den Kinosaal verlässt. Wer fast 80 Minuten „nett“ unterhalten werden und die Seele baumeln lassen will, keinen hohen künstlerischen Anspruch an ein Filmwerk stellt und das Thema „schwules Leben“ vielfältig und abwechslungsreich (wie es eben auch sein kann) erleben möchte, auf ernsthafte Lösungsvorschläge bei all den gezeigten Problemen verzichten kann, der „heilenden Wirkung“ medialer Berichterstattung glauben :mrgreen: und ab und zu noch lachen möchte, der erlebt hier charmante Kino-Unterhaltung!

WEBSITE ZUM FILM

FILMVORSTELLUNG AUF HOMOCHROM.de

Meine persönliche Wertung:

3 von 5 Punkten

5 Punkte: WOW! Großartige Unterhaltung, perfekter Film! Besser geht`s nicht!
4 Punkte: Klasse gemacht, tolle Unterhaltung, nix zu bereuen!
3 Punkte: Eher was für den Kinotag oder auf Free-TV-Premiere warten!
2 Punkte: geht nicht mal im Fernsehen als gut durch!
1 Punkt  : Volle Zeit- und Geldschverschwendung! Flucht aus dem Kino!

Hast D U den Film schon gesehen und wie fandest Du ihn? Interessiert mich, nutze das Kommentarfeld 😉

Filmkritik: DROWN

Die Filmreihe HOMOCHROM (INFOKLICK) zeigt monatlich in einem ausgewählten Kino diverser Ruhrgebiets-Städte, in Düsseldorf und Köln, meist als Premiere, einen Film (Original mit Untertiteln) mit thematischem Bezug zur Homosexualität. In diesem Monat ist es der australische Film DROWN (INFOKLICK, übersetzt: ertrinken).

Die Beschreibung von DROWN auf der HOMOCHROM-Website weckte mein Interesse und so fuhr ich am Sonntag nach Dortmund in das Kino Schauburg. Die Vorstellung war sehr gut besucht, was meiner Erfahrung nach darauf hin deutet, dass es einige Nacktszenen im Film gibt 😆 . Tja, Gays sind eben sehr … visuell … veranlagt 😉 Und tatsächlich gab es massig Haut zu sehen, in erster Linie natürlich, weil es um einen Streifen aus dem Bereich von Rettungsschwimmern geht :mrgreeen:

Erwartet hatte ich einen Film über die Problematik des Being Gay im Schwimmer-Milieu. Aber Dean Francis, in Personalunion der Regisseur, Produzent, Kameramann, Cutter und Ko-Autor (WOW!!!), produzierte ein Drama, das voller Gewalt steckt und am Ende sogar den homophob-sado-masochistischen Bereich touchiert.

Lenny ist unangefochtener Star eines Teams von Rettungsschwimmern irgendwo an der Küste von Australien. Er gewinnt seit Jahren die internen Wettbewerbe und heimst mehrmals den Titel „Rettungsschwimmer des Jahres“ ein. Als Phil neu ins Team kommt und schon am ersten Tag einem Menschen das Leben rettet, wird Lenny sofort auf ihn aufmerksam, beobachtet ihn und findet dabei heraus, dass Phil schwul ist. Dann gewinnt Phil auch noch, knapp vor Lenny, das Team-Race des Jahres und spätestens jetzt beginnt für Lenny ein interner Kampf, bei dem es um Macht im Team, Lenny`s eigenes, tief verborgenes, aber selbst geleugnetes Interesse an Männern und final um Leben und Tod geht…

Eigentlich wollte ich mich im Kino ein wenig entspannen. Aber mit DROWN traf ich auf ein Drama, das mich aufwühlte. Ich hätte es wissen müssen. Denn auf der Website von HOMOCHROM steht eine Warnung vor Gewalt im Film.

Die Rolle des Lenny steht im Mittelpunkt von DROWN. Phil und sein Freund werden zwar auch hin und wieder etwas länger eingeblendet, eine verbale Diskussion zwischen den Beiden wird aber höchstens durch entsprechende Bilder angedeutet und so wird Phil zum Nebendarsteller, der nur als Auslöser für all das fungiert, was den Film zum Höhepunkt der Handlung treibt.

Es war meine Wut, die sich entwickelt, wenn ein Mensch nicht mit seinen eigenen Gefühlen und Neigungen umgehen kann und er/sie dann daraus resultierend, Gewalt gegen sein/ihr Umfeld entwickelt.
Zahlreiche Rückblenden, für meinen Geschmack ein paar zuviel und manchmal auch etwas ungeordnet, zeigen, wie Lenny schon in früher Kindheit von seinem Vater auf homophob „getrimmt“ wird. Dass es zum Knall kommen muss, wenn er als latenter Liebhaber von Männerkörpern real mit Homosexualität konfrontiert wird, ist dann schon vorhersehbar.

Dabei bezieht er seinen Kumpel Meat, ebenfalls schwul, auch nicht offen damit umgehend, in die Orgie aus Gewalt mit ein, auch wenn Meat sich immer heftiger gegen die Kommandos des Sadisten Lenny zur Wehr setzt. Wie der Film endet und wo Lenny, Meat und Phil am Ende stehen (oder liegen), das sei hier nicht verraten 😉 Nur soviel: MICH hat das Ende nicht sonderlich überrascht, aber für den ein oder anderen Gewaltexzess in der Handlung entschädigt…

FAZIT:
Verstört verließ ich am Ende des Films den Kinosaal und musste erst einmal ein paar Schritte an der frischen Luft laufen, um wieder runter zu kommen. Ich glaube, ich war nicht der einzige Zuschauer, der so reagierte.
DROWN ist sehenswert, keine Frage, aber wer seichte Unterhaltung erwartet, der könnte den Film zu Hause ungefähr in der Mitte ausschalten, weil er eine gewisse Schwere entwickelt, die an die Grenze des Unerträglichen geht. Dass DROWN solche Emotionen weckt, halte ich ihm im Nachhinein zu Gute. Während der Aufführung war ich hin und wieder etwas gelangweilt, was aber an den Rückblenden lag, die die Handlung aus meiner Sicht phasenweise stören.
Alles in allem ist der Film aber ideal für Interessierte, die sich mit homophober Gewalt auseinandersetzen und natürlich für alle Männer, die schöne, gestählte, trainierte Körper sehen möchten. Und JA, es gibt auch EINE Szene, in der „mehr“ zu sehen ist 😛 !

Und wie fandest DU den Film? Schreib‘ mir Deine Meinung ins Kommentarfeld…

WEBSITE ZUM FILM

Meine persönliche Wertung:

3 von 5 Punkten

5 Punkte: WOW! Großartige Unterhaltung, perfekter Film! Besser geht`s nicht!
4 Punkte: Klasse gemacht, tolle Unterhaltung, nix zu bereuen!
3 Punkte: Eher was für den Kinotag oder auf Free-TV-Premiere warten!
2 Punkte: geht nicht mal im Fernsehen als gut durch!
1 Punkt : Volle Zeit- und Geldschverschwendung! Flucht aus dem Kino!

Filmkritik: PRIDE

Mitte der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts: Ich war ein Teenie, der sich für all das Politische interessierte, was in der Welt geschah. Ich hörte von den Streiks der Bergarbeiter in Großbritannien, die sich gegen die kompromisslose Sturheit der Regierungschefin Thatcher richteten, die nichts anderes wollte, als die immense Macht der Gewerkschaften im Staat zu brechen. Letztendlich war Thatcher erfolgreich.

Was mir bis heute nicht bewusst war und was ich damals schon gar nicht wahr nahm: Diese Streiks führten dazu, dass eine Minderheit in der Gesellschaft, die der Lesben und Schwulen, aus der „Perversionsecke“ heraus kamen und es mit der Forderung nach Gleichberechtigung letztendlich in das Parteiprogramm der (sozialdemokratischen) Labour-Partei schaffte. Von diesem Weg erzählt der Film PRIDE.

Eine kleine, gut organisierte Gruppe von Schwulen (mit einer Lesbe! 😉 ) feiert den Pride (CSD) 1984 in London. Der Kopf der Gruppe, Mark Ashton (KLICK), hat plötzlich die Idee, die streikenden Minenarbeiter mit Hilfe von gesammeltem Geld aus der Gay-Lesbian-Szene zu unterstützen, frei nach dem Motto „Thatcher mag uns nicht, Thatcher mag Euch nicht, also lasst uns zusammen halten!“. Nur…keiner will ihr Geld, denn Homosexuelle gelten in dieser Zeit noch als „pervers“ und niemand will mit ihnen in Verbindung gebracht werden. Mit einer List schafft Mark es dennoch, eine kleine Gemeinde in Wales dazu zu bringen, die Unterstützungsgelder anzunehmen. Zunächst etwas misstrauisch und noch voller Ablehnung, bricht nach einigen gegenseitigen Besuchen schnell das Eis. Aber wie so oft gibt es auch Unbelehrbare, die eine solche Kooperation nicht wollen…

Hell, was für ein Film! Fast hätte ich ihn im Rahmen der Reihe Homochrom (KLICK) verpasst. Und ich hätte mich sicher geärgert, denn dieser Streifen erzählt nicht nur die wahre Geschichte der schwullesbischen Revolution in Großbritannien und deren Folgen für die Community in der Thatcher-Zeit, sondern sprüht darüber hinaus vor witzigen Situationen und Dialogen, die ich in einem Gay-Movie so lange nicht gesehen und gehört habe.

Es gibt viel zu lachen und besonders aufmerksam habe ich registriert, dass einige Gags die weiblichen Besucherinnen im Kinosaal ansprachen, andere die männlichen, aber meistens lachte der ganze Saal :mrgreen: .

Lächerlich ist PRIDE allerdings nicht, er hat auch seine traurigen, enttäuschenden und ernsten Momente. Aber nach einer negativen Szene, und das macht diesen Film so unglaublich erfrischend, kommt auch wieder eine zuversichtliche. PRIDE hat soviel Positives. Die Hoffnung nicht aufgeben und zusammen stehen, ist das Credo dieser herrlich verfilmten Geschichte.

Aber der Film erzählt auch von Coming-Out-Problemen verschiedener Generationen. Da sind die Söhne hochgläubiger Mütter den die Söhne mit den Müttern in einen Konflikt treten lassen und ein älterer Herr, der sich endlich zu seinem Schwulsein bekennen kann.

Die Rollen der Schauspieler/innen sind optimal besetzt. Ja, so stelle ich mir Wales und seine Einwohner vor, ja, so stelle ich mir eine Minenarbeiter- oder Bergwerksarbeiter-Seele vor! Schlicht, einfach, humorvoll, behaftet mit Klischees aus den Boulevard-Medien gesaugt, aber absolut lernfähig und bereit, zusammen den Kampf gegen den gemeinsamen Feind, hier die britische Regierung unter Thatcher, aufzunehmen.

Besonders beeindruckend fand ich die Rolle des Mark Ashton in dieser Geschichte. Ob er tatsächlich der führende Kopf der ganzen Sache war und ob die Ideen, die ihm im Film zugeschrieben wurden, wirklich alle von ihm waren, weiss ich nicht. Wenn das aber so war, hat er die Gleichberechtigung von Gays in Großbritannien, in dieser Form wahrscheinlich eher ungewollt, in rasender Geschwindigkeit voran gebracht. Ihm gebührt mein voller Respekt! Denn Ashton war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 23 oder 24 Jahre jung!

Mein Fazit:

Wer im Kino kurzweilige Unterhaltung sucht, sich gerne zum Lachen und zum Traurigsein bringen lässt, ohne am Ende schluchzend aus dem Saal gehen zu müssen, wer sich für die Geschichte der schwullesbischen Gleichberechtigung in Großbritannien interessiert und wer Berg- oder Minenarbeiter und hetero ist (soll es ja noch geben 😉 ), der sollte sich PRIDE keinesfalls entgehen lassen.
Ich empfehle Euch selten einen Streifen, den man sich hinterher auf DVD oder BluRay ins Regal stellen kann, aber PRIDE ist definitiv so einer.
PRIDE startet am 30.Oktober 2014 in den deutschen Kinos und ich sage: Schaut ihn Euch an, lasst Euch zwei Stunden gut unterhalten, jeder Cent des Eintrittspreises lohnt!

WEBSITE DES FILMS (deutsch)

WEBSITE OF THE MOVIE

Meine persönliche Wertung:

5 von 5 Punkten

5 Punkte: WOW! Großartige Unterhaltung, perfekter Film! Besser geht`s nicht!
4 Punkte: Klasse gemacht, tolle Unterhaltung, nix zu bereuen!
3 Punkte: Eher was für den Kinotag oder auf Free-TV-Premiere warten!
2 Punkte: geht nicht mal im Fernsehen als gut durch!
1 Punkt : Volle Zeit- und Geldschverschwendung! Flucht aus dem Kino!

Persönliche Eindrücke vom ColognePride 2014 – Wir sind “nur” der rosa Karneval – Köln demonstriert Vielfalt

Blick auf den Kölner Dom, unterlegt mit CSD-Solibändchen aus diversen JahrenDer Cologne Pride 2014 – 13 Jahre nach Verabschiedung des Lebenspartnerschaftsgesetzes (LPartG, KLICK) durch die Rot-Grüne Bundesregierung. Inzwischen hat sich viel getan: die Gay-Szene hat sich verändert, spürbar! Aber…meiner Ansicht nach, nicht zu ihrem Vorteil, zumindest wenn man von den Stimmungen und Verhaltensweisen früherer Jahre ausgeht! Dieser Eindruck bestätigte sich zwar auch beim diesjährigen Cologne Pride (KLICK), dem Christopher Street Day (CSD) (KLICK) in Köln, aber es gab zum Glück auch das, was die Szene vor einigen Jahren noch ausmachte 😉 . W O sonst in Deutschland, wenn nicht in Köln? Es gibt Hoffnung :mrgreen: !

Freitag, CSD-Start, Janus-Party

3 FußpaareZwei Männer, eine Frau, die ideale Truppe, um den Pride Cologne zu erleben 🙂 Die Zeit in Köln bis zur Eröffnung des größten Gay-Events in Deutschland herum zu bekommen, ist nicht schwer, denn die Rheinstadt hat wahrlich viel zu bieten. Auch leckeres, kühles Kölsch auf dem Heumarkt. Fröhliche und bunte Besucher/innen waren schon am Nachmittag leicht zu erkennen und die Stimmung in den Straßen der Stadt ist einfach herrlich und entspannt. Zumindest nehme ich sie so wahr…

Werbeplakat der Dirma ES auf dem Kölner CSDOkay, ich muss an dieser Stelle gestehen, dass wir den offiziellen Start des CSD verpassten 😳 !  Nein, das lag NICHT an diesem netten Herrn hier rechts auf dem Bild :mrgreen: Deutschland gegen Frankreich bei einer Fußball-WM, das liebe Leser/innen, zieht selbst mich gebannt vor den Fernseher 😉 .

Kronleuchter in der Wolkenburg, KölnUnser erster Event in diesem Jahr war die große Party des schwullesbischen Sportvereins SC Janus in der Wolkenburg. Was für eine beeindruckende, atmosphärisch spannende Location (KLICK) …und was für eine Party-Enttäuschung! Ich hatte viel Positives über diesen Event gelesen und gehört, aber … Wo waren all die Sportler??? Eine Sportverein-Party ohne die typischen Fetisch-Klamotten??? Sorry, geht gar nicht! Vereinzelt waren sie sichtbar, aber sie gingen in der Masse der konventionell, teilweise langweilig, ja sogar schlecht gekleideten Männer unter 😮 ! DERBE ENTTÄUSCHUNG!

Reizend angezogener Mann auf dem HeumarktUnd hier war genau das zu sehen, was ich zu Beginn des Berichts schon als negative Veränderung in der Gay-Szene andeutete. Unsere Begleiterin beschrieb die Atmo, die Männer und die Party im Ganzen, mit nur einem Wort, das treffender nicht mehr geht: B I E D E R ! Ja, liebe Gays, willkommen im biederen Spießer-Leben! Ihr habt es geschafft! 😛 Auch DAS gehört zur Gleichberechtigung und Männer, die wie auf dem Bild rechts knapp angezogen waren, sind auch bei weitem nicht mehr so häufig zu sehen gewesen, wie noch vor ein paar Jahren. Inzwischen ist die „Empörung“ über derartige Reize in der Öffentlichkeit ja chic! 😆

Bauch eines BerbersUnd die Musik? Drei Tanzräume, drei ähnliche Musikstile und WO WAREN DIE CHARTS, die aktuellen Hits? Und ich meine jetzt nicht die Schlager, wie „ATEMLOS“, der sich über die vier Tage Köln wie ein rosa Faden durch mein schlagerfeindliches Gehör zog! Es waren in allen Sälen ähnliche Lieder aus gleichen Zeiten, mir fehlten Abwechslung und Höhepunkte! Schade…aber wie im realen Leben, siehe Foto links, kann nicht alles schön sein 😛

Schultertattoo eines MannesIn positiver Erinnerung bleibt mir die Treppe, die zu den Toiletten ins Obergeschoss führte. Wir Drei standen am Aufgang der Treppe und konnten ein ausgiebiges Lästern nicht vermeiden, denn…am Ende des Treppenabstiegs hing ein riesengroßer Spiegel und wenn sich, bei all dem biederen Männervolk eines ganz sicher NICHT geändert Die Sportler gab es dann später, bei der Parade auf der Deutzer Brückehat, so ist es die Eitelkeit der Männer! Ich wartete nur auf die „Krystle Carrington“ (KLICK), die als erste die Treppe hinabstürzen würde, weil der Blick weniger auf die Stufen, als vielmehr auf das eigene Spiegelbild gerichtet war 😆 . Kenner der Serie DENVER-CLAN wissen, was ich meine 😉 . Na wenigstens hatten wir an dieser Stelle der Party etwas zu lachen.

FetischhosenträgerDer CSD-Freitag kann mich nach wie vor weder überzeugen, noch begeistern. Letztes Jahr langweilte und erschreckte mich die vielseits gelobte AIDS-Gala im Maritim-Hotel, dieses Jahr (HEUER <- kleener Interner! 😆 ) schaffte es auch die Janus-Party nicht, mich in Stimmung zu bringen. Aber dann kam der Samstag 🙂 …

Samstag, Kompassnadel, Kerzenlichter gegen das Vergessen, SEXY-Party

Ich liebe das Frühstücken im Hotel! 🙂 Frühstück!

Danach ab auf den Heumarkt und das erste Bierchen des Tages schlürfen, so muss das! 😉

Der alljährliche Empfang des Empfang des Schwulen Netzwerkes und der AIDS Hilfe NRW im Gürzenich, KölnSchwulen Netzwerkes NRW und der AIDS-Hilfe NRW (KLICK) zur Verleihung der Kompassnadel (KLICK), ist der für mich professionellste und feinste Event schwul-lesbischer Organisationen überhaupt und gleichzeitig mein eigentlicher Einstieg in das CSD-Pink Elephant auf der ParadeWeekend. Mehrere hundert Personen aus Gay-Verbänden und -Gruppen aus ganz NRW, treffen sich am Samstagmittag im Kölner Gürzenich, um Personen oder Projekte, die sich für Schwule und Lesben in der Gesellschaft besonders engagiert haben, auszuzeichnen. Und dieser Preis ist die Kompassnadel! Ein Preisträger kommt aus der Gay-Community, zumeist sind es ehrenamtliche Mitarbeiter, der zweite Preisträger kommt aus der Gesellschaft, nicht selten aus der Politik und in diesem Jahr zum ersten Mal aus einer kirchlichen Organisation.

Pink Elephants auf der ParadeDie Festreden waren einmal mehr professionell und es zeigt sich immer wieder, dass die gewählten Preisträger der Kompassnadel zurecht nominiert wurden.

Irgendwie war unser Zeitmanagement an diesem Samstag ungünstig, denn wir schafften es tatsächlich nicht, über das Straßenfest zu flanieren. Abgesehen von den zahlreichen Info- und Verkaufsständen, bietet der Walk immer wieder die Möglichkeit, ein wenig mehr von der allgemeinen Stimmung aufzunehmen, die Vielfalt der Besucher zu registrieren und natürlich auch mit ihnen zu flirten 😉 . Mir fehlte das sehr 🙁 .

Graf ZahlAuch wenn ich hier viel über „Party & Bier“ schreibe, ist der Spaß nicht das alleinige Ziel, das mich zum Christopher Street Day nach Köln führt. Wir dürfen nicht vergessen, dass die gesellschaftliche Akzeptanz homo-, bi- und transsexueller Menschen, auch nach Einführung des LPartG, in der Gesellschaft vielfach immer noch defizitär ist und in vielen, gerade regionalen Gebieten, Gays auf Ablehnung und Diskriminierung stoßen.
Feuerspucker auf der ParadeAuch bei der rechtlichen Gleichstellung ist ein weiterer Fortschritt dringend notwendig. Dabei geht es nicht darum, anderen etwas wegzunehmen, sondern Gay-People rechtlich das zu geben, was allen anderen Bürgern auch zugestanden wird. DAS ist für mich rechtliche GLEICHSTELLUNG! Und die inzwischen immer häufiger zu vernehmenden Äußerungen gegen die Versuche der Umsetzung einer Gleichstellung, insbesondere mit dem Zusatz „Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!“, finde ich unerträglich (KLICK MAL HIER)! Wo ist bei den Versuchen, mir eine rechtliche Gleichstellung zu verwehren, der Respekt mir und meinem Leben gegenüber in dieser offenen Gesellschaftsform, in der doch jeder das Recht haben sollte, so zu leben, wie er mag??? Dafür mit meiner Präsenz in Köln zu demonstrieren, mich zu zeigen, den Politikern sagen zu können „Hey, WIR SIND DA!“ (und je mehr, desto besser!!!), deshalb fahre ich auch zum CSD und das in vollem Bewusstsein, jederzeit, auch wenn ich ein Bierchen trinke, lache und Spaß habe! Der ernste Hintergrund ist immer dabei, auch wenn man ihn mir in manch einem Moment nicht ansieht oder ansehen will!

Neon-Rainbow über KölnZahlreiche Acts auf den Bühnen (Alter Markt und Heumarkt) und kleinere Veranstaltungen mit ernsterem Hintergrund im Rahmen des Straßenfestes (KLICK 1) (KLICK 2, WDR) und auch schon Wochen davor in der ganzen Stadt, belegen, dass ich diesbezüglich nicht der Einzige bin, der den Pride vielfältiger sieht! Am CSD-Weekend selbst, ist die wohl beeindruckendste Veranstaltung die „Kerzenlichter gegen das Kerze beim "Kerzenlichter gegen das Vergessen"Vergessen“ (KLICK) am Samstagabend. Wenn man an der Bühne steht, beim oder kurz nach dem Sonnenuntergang Richtung Dom schaut, das Lichtermeer von tausenden Kerzen sieht, eine beeindruckende Stille während der Gedenkminute erfährt, die man noch Minuten zuvor für unerreichbar gehalten hätte, als diese vielen Leute sich noch fröhlich mit Freunden austauschten und laut lachten, bekomme ich eine Gänsehaut! Dann Heumarkt während der "Kerzenlichter gegen das Vergessen"weiss ich, dass ich nicht allein mit meinen Gedanken bin, neben Party & Spaß auch noch andere Gründe zu haben, am CSD teil zu nehmen. Immer wieder ein unglaublich bewegender, immens einprägsamer Augenblick!

Sexy-Schriftzug auf der gleichnamigen PartyDamit endete das Bühnen-Programm auf dem Heumarkt und es starten die Vorbereitungen für D I E Party des CSD: S E X Y !!! 😛

Die SEXY hat nicht nur den richtigen Namen, sie ist es auch und ich sage hier aus vollem Herzen: ENDLICH! :mrgreen:

Zwei nette Männer ...nicht nur der nette Rücken kann entzücken ;-)Was ich vorhin über die Janus-Party schrieb, trifft auf die SEXY überhaupt nicht zu! Wer erleben möchte, wie noch vor Jahren fast jede Gay-Party gefeiert wurde, und den Begriff „Feiern“ habe ich bewusst gewählt, der sollte sich für das nächste Jahr auf jeden Fall ein Ticket sichern. DAS ist PARTY, hier sind MÄNNER und man hört viel Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und dazwischen auch schon einmal Deutsch 😀 . Diese Party ist international, sie bietet SHOW, sie bietet FUN, sie bietet EROTIK, sie bietet schöne (freie Ober-)KÖRPER und sie bietet klasse gemixte MUSIK.

Überblick über die große Tanzlocation (Halle) der SEXYDie Atmo ist heutzutage fast unbeschreiblich, erst recht für die jüngeren Schwulen, die mit den fast schon konventionell und „hetero“ gewordenen Gay-Parties aufgewachsen sind und eher peinlich berührt wegschauen oder lästern, wenn sie jemanden ohne Shirt auf der Tanzfläche sehen! Bei der SEXY reicht es auch, sich einfach in eine Ecke zu stellen und zu schauen, zu genießen, das aufzunehmen, was einem immer wieder auf`s Neue geboten wird :mrgreen: . Wer das „Babylon“ aus „Queer as Folk“ kennt und solche Männerpo in RegenbogenfarbenParties für unmöglich und frei erfunden hielt, wird auf der SEXY vom Gegenteil überzeugt werden! Diese Party ist eben nichts für die Biederen und Spießer unter den Gays, die scheinbar begonnen haben, sich für ihre halbnackten, bestens gestylten Artgenossen zu schämen, die es ihrerseits genießen, ihre Körper zu zeigen und schlicht und einfach lockeren, unkomplizierten Spaß haben wollen, was ja auch schon verpönt zu sein scheint! S O ist Party, wie es sie heute in unserer Region LEIDER kaum noch gibt!!! 😛

Um vier Uhr lagen wir im Bett, um 8:15 Uhr sollte schon wieder der Wecker klingeln 🙄 !

Sonntag, CSD-Parade, Tanzbühne und ein verfrühtes CSD-Ende

BierflascheRaus aus dem Bett (Hell, war das schwer 😯 !), duschen, frühstücken, ein erstes Kölsch auf dem Heumarkt!

Tasche packen, 2 Flaschen Sekt für 2 Personen, eine Flasche Wasser für unsere Frau (musste noch nach Hause fahren und durfte nicht mehr trinken 🙁 !). Eine Flasche Hugo und ein Desperados holten wir später noch nach 😳 .

Bierfässchen am LaternenmastDie Deutzer Brücke war für diese Uhrzeit schon ungewöhnlich voll und was die Besucherzahl des diesjährigen Pride angeht, so befand sie sich wohl wieder einmal recht nah unter der Millionengrenze 🙂 . Zu der Parade gibt es nicht viel zu sagen, die müsst Ihr einfach erleben! Aber dass der CSD mehr ist, als eine reine Tunten-Veranstaltung und ein Come-Together ausschließlich schriller Typen, so wie es gerne in den Medien gezeigt wird (KLICK 1) (KLICK 2) (KLICK 3), davon kann sich jeder Besucher überzeugen, der die Kerle und Männer entlang der größten deutschen CSD-Parade in den Straßen sieht.

Demo-PlakateViel Schönes begegnet viel Peinlichem, manch einem wird das ein oder andere auch zu offen gezeigt, wie z.B. der entblößte Po eines Demonstranten. Und Menschen in Gummi, Latex oder in Hundemasken, die auf den entsprechenden S/M- und Parade-EngelMaster/Slave-Fetisch hinweisen, sind nicht jedermanns Sache und werden nicht selten kritisiert. Mir muss auch nicht alles und jeder Demo-Teilnehmer gefallen, aber Herr- und Frauschaften…wer von gelebter Vielfalt spricht, sie sich für die Gesellschaft wünscht und selbst als Mitglied einer Minderheit für Vielfalt und gleiche Rechte demonstriert, sollte jene nicht ausschließen wollen, die als Minderheit in der Minderheit dazu gehören, indem man diesen außergewöhnlichen Demonstranten die Teilnahme an der Parade absprechen will! Einfach mal drüber nachdenken 😉 !

"Bunter Vogel"SpidermenWer den ein oder anderen „schrillen Vogel“ im Anschluss an die Parade noch ablichten möchte, dem bietet sich meist auf der Domplatte die Gelegenheit dazu. In diesem Jahr war die Parade (98 Gruppen) so lang und so langsam, dass wir, nach dem Ende auf der Deutzer Brücke am Dom angelangt, den Anfang noch gar nicht mitbekamen 🙂 . Hatte ich so auch noch nicht erlebt.

Cocktail an der Tanzbühne am GürzenichWir liefen zurück über das Straßenfest hin zur Tanzbühne am Gürzenich (KLICK), wo wir auf weitere Kölsch verzichteten und uns den Cocktails zuwandten 😆 .
Was hatten wir doch wieder ein Glück mit dem Wetter! Mussten wir noch am Freitag mit Regen für das Weekend rechnen, entpuppte sich der Sonntag als herrlich warmer, sonniger Tag mit nur wenigen Wolken. Wer dann noch ein wenig SEXY-Luft schnuppern wollte, fand hier die heißesten Männer noch einmal auf der Tanzbühne, natürlich auch diesmal zumeist oben ohne 😉 .

Tanzbühne am GürzenichLeider ergaben sich, wie bereits in den Vorjahren, nur wenig Kontakte. Auch wenn wir die Leute ansprachen, war nicht mehr als ein Small Talk drin. Auch das ist bereits seit Jahren im Trend. Wenn ich mich an die ersten CSD`s, die ich in Köln erlebt habe, erinnere, so waren die immer auch mit interessanten, spannenden und witzigen Begegnungen verbunden. Heute schauen die Leute einen oft nur noch an, als wunderten sie sich, dass sie überhaupt angesprochen werden 🙄 . Persönliche Kontakte werden immer schwieriger, das Internet und die anonyme, facelose Kontaktaufnahme über diverse Apps, haben viele Schäden hinterlassen…

Blick aus dem Hotelzimmer auf die Deutzer RheinseiteAm Abend kamen dann doch noch Wolken auf und es begann zu regnen. Wir waren um 21:00 Uhr wieder auf dem Heumarkt, um das offizielle Ende des Christopher Street Day 2014 mit zu erleben. Plötzlich wurde über die Lautsprecher das vorzeitige Ende des Pride verkündet. Grund war eine Unwetter-Warnung des Wetteramtes…nachvollziehbar nach dem derben Pfingst-Sturm.

Fazit:

Heumarkt am Morgen danach...aufgeräumtDer Cologne Pride 2014 war wieder ein klasse Demo-Wochenende, dem hoffentlich in den nächsten Jahren noch viele folgen werden :mrgreen: .
Ich persönlich erlebte Einiges etwas anders, als in den vergangenen Jahren. Das gilt es dann in 2015 wieder zu ändern! 😉

Filmkritik: OUT IN THE DARK

Filmkritik: OUT IN THE DARK, Kino, Film

Im Rahmen der schwulen Filmreihe HOMOCHROM (KLICK) habe ich mir gestern Abend, ausnahmsweise in Düsseldorf, den FilmOut in the dark“ angesehen. Wer ihn sehen möchte, hat im Mai noch in Bochum, Oberhausen, Essen und Köln die Möglichkeit und ich kann nur jedem empfehlen, sich diesen Film anzuschauen! Warum, das lest Ihr im Folgenden…

Der Palästinenser Nimr und der Israeli Roy lernen sich in einem schwulen Club in Tel Aviv kennen. Roy ist schnell Feuer und Flamme für Nimr und möchte ihn wiedersehen, während sich der zwischen Ramallah und Tel Aviv mit Passierscheinen pendelnde Student, der möglichen Probleme einer solchen Beziehung sehr bewusst ist. Zudem ist Nimr in seiner Familie nicht geoutet. Doch schneller als geplant kommt es zu einem weiteren Treffen mit Roy und die beiden verlieben sich ineinander.

Es ist eine Liebe voller Zuneigung und Vertrauen, von beeindruckender Tiefe, die sich auch von den brutalen Alltagsproblemen nicht schwächen lässt. Der Film entwickelt sich zu einem gesellschaftlichen Drama, das die beiden liebenden Männer an den Rand der Verzweiflung und an die Grenzen des Vertrauens führt.

Was für ein klasse Film! Selten habe ich einen Streifen gesehen, der die Zustände im Nahen Osten, die Unterschiede im Denken der Kategorien von schwarz und weiß, Gut und Böse, derart deutlich und emotional in Szene setzt, wie Out in the dark.

Nicht, dass die Probleme zwischen Israelis und Palästinensern schon groß genug wären, eine schwule Liebe, die bei Palästinensern eine Schande für die Familie bedeutet und für Nimr damit zum Ausstoß aus der Familie führt und die unerträgliche Situation, dass er nach seiner Flucht zu Roy von den israelischen Sicherheitsbehörden gefasst und in den sicheren Tod abgeschoben werden könnte, bestimmen den zweiten Teil des Films.

Ich kann Euch gar nicht beschreiben, welche Emotionen der Film in mir geweckt hat. Der Staat Israel greift mit seinen Sanktionen gegenüber den Palästinensern unmittelbar in die Beziehung der beiden Männer ein. Ein kompromissloser Geheimdienst, dessen Mitarbeiter von Gays nicht viel hält und der blind vor fanatischer Sicherheitsgeilheit alles menschliche, emotionale rücksichtslos den unbedingten Interessen des Staates unterordnet, erinnert mich an die Allmacht ehemaliger deutscher Geheimpolizeien diverser Epochen des 20.Jahrhunderts! Selbst Roy, ein erfolgreicher Anwalt, weiss sich den Machenschaften des Geheimdienstes nicht zu erwehren. Was für schreckliche Zustände müssen das in diesem Land sein???

Einerseits kann ich die Angst Israels verstehen, dem Land, das sich seit seiner Gründung immer und immer wieder in seiner Existenz bedroht sah. Andererseits…was ist eine Demokratie wert, die die eigenen Bürger rücksichtslos ihrer Rechte beraubt, auf den bloßen Verdacht einer Bedrohung hin und die die Palästinenser drangsaliert und nach gut dünken zu lenken versucht und sanktioniert???

Für die Gay-Liebe zwischen Roy und Nimr, übrigens, ein wirklich sexy Päärchen, scheint es keine (legale) Lösung zu geben! Oder doch? Film anschauen 😉 !

Out in the dark“ ist ein äußerst kritischer Film, der nicht nur eine schwule Liebesbeziehung in den Mittelpunkt der Handlung stellt, sondern der auch das Verhalten des Staates Israels den Palästinensern gegenüber an den Pranger stellt. Nebenher wird noch die arabische Macho-Mentalität und ein kompromissloses Gewaltpotenzial palästinensischer Aktivisten thematisiert.

Gefallen hat mir, dass in „Out of the dark“ der Sex zwischen den verliebten Männern nicht in aller Deutlichkeit und Ausführlichkeit gezeigt wird, sondern die Handlung sich auf das gesellschaftliche Umfeld im Nahen Osten konzentriert.

Wenn Nimr um sein Leben fürchten muss, die Bedrohung absolut nachvollziehbar ist und er kaum einen Ausweg weiss, er Roy mehrfach flehentlich um Hilfe bittet, sein Leben zu retten, dann kommen in mir Bilder hoch, wie ich sie mir für die Zeit zwischen 1933 und 1945 während der brutalen Judenverfolgung vorstelle. Schlimmer kann es in Deutschland zu dieser Zeit kaum gewesen sein. Die „Jagd“ ist in beiden Fällen die gleiche und die körperliche und die psychische Brutalität ist im Film immens spürbar, was sicher auch dem intensiven Schauspiel der beiden Hauptdarsteller zu danken ist. Insgesamt empfinde ich den Film als sehr deutliche Kritik an der Politik des Staates Israel und an der kompromisslosen Macho-Mentalität in Teilen der palästinensischen (und arabischen) Gesellschaftskultur!

Website zum Film

Meine persönliche Wertung:

4 von 5 Punkten

5 Punkte: Großartige Unterhaltung, perfekter Film! Besser geht`s nicht!
4 Punkte: Klasse gemacht, gute Unterhaltung, nix zu bereuen!
3 Punkte: Eher was für den Kinotag oder auf Free-TV-Premiere warten!
2 Punkte: geht nicht mal am Kinotag als gut durch
1 Punkt : Volle Zeit- und Geldschverschwendung!