Filmkritik: PRIDE

Mitte der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts: Ich war ein Teenie, der sich für all das Politische interessierte, was in der Welt geschah. Ich hörte von den Streiks der Bergarbeiter in Großbritannien, die sich gegen die kompromisslose Sturheit der Regierungschefin Thatcher richteten, die nichts anderes wollte, als die immense Macht der Gewerkschaften im Staat zu brechen. Letztendlich war Thatcher erfolgreich.

Was mir bis heute nicht bewusst war und was ich damals schon gar nicht wahr nahm: Diese Streiks führten dazu, dass eine Minderheit in der Gesellschaft, die der Lesben und Schwulen, aus der „Perversionsecke“ heraus kamen und es mit der Forderung nach Gleichberechtigung letztendlich in das Parteiprogramm der (sozialdemokratischen) Labour-Partei schaffte. Von diesem Weg erzählt der Film PRIDE.

Eine kleine, gut organisierte Gruppe von Schwulen (mit einer Lesbe! 😉 ) feiert den Pride (CSD) 1984 in London. Der Kopf der Gruppe, Mark Ashton (KLICK), hat plötzlich die Idee, die streikenden Minenarbeiter mit Hilfe von gesammeltem Geld aus der Gay-Lesbian-Szene zu unterstützen, frei nach dem Motto „Thatcher mag uns nicht, Thatcher mag Euch nicht, also lasst uns zusammen halten!“. Nur…keiner will ihr Geld, denn Homosexuelle gelten in dieser Zeit noch als „pervers“ und niemand will mit ihnen in Verbindung gebracht werden. Mit einer List schafft Mark es dennoch, eine kleine Gemeinde in Wales dazu zu bringen, die Unterstützungsgelder anzunehmen. Zunächst etwas misstrauisch und noch voller Ablehnung, bricht nach einigen gegenseitigen Besuchen schnell das Eis. Aber wie so oft gibt es auch Unbelehrbare, die eine solche Kooperation nicht wollen…

Hell, was für ein Film! Fast hätte ich ihn im Rahmen der Reihe Homochrom (KLICK) verpasst. Und ich hätte mich sicher geärgert, denn dieser Streifen erzählt nicht nur die wahre Geschichte der schwullesbischen Revolution in Großbritannien und deren Folgen für die Community in der Thatcher-Zeit, sondern sprüht darüber hinaus vor witzigen Situationen und Dialogen, die ich in einem Gay-Movie so lange nicht gesehen und gehört habe.

Es gibt viel zu lachen und besonders aufmerksam habe ich registriert, dass einige Gags die weiblichen Besucherinnen im Kinosaal ansprachen, andere die männlichen, aber meistens lachte der ganze Saal :mrgreen: .

Lächerlich ist PRIDE allerdings nicht, er hat auch seine traurigen, enttäuschenden und ernsten Momente. Aber nach einer negativen Szene, und das macht diesen Film so unglaublich erfrischend, kommt auch wieder eine zuversichtliche. PRIDE hat soviel Positives. Die Hoffnung nicht aufgeben und zusammen stehen, ist das Credo dieser herrlich verfilmten Geschichte.

Aber der Film erzählt auch von Coming-Out-Problemen verschiedener Generationen. Da sind die Söhne hochgläubiger Mütter den die Söhne mit den Müttern in einen Konflikt treten lassen und ein älterer Herr, der sich endlich zu seinem Schwulsein bekennen kann.

Die Rollen der Schauspieler/innen sind optimal besetzt. Ja, so stelle ich mir Wales und seine Einwohner vor, ja, so stelle ich mir eine Minenarbeiter- oder Bergwerksarbeiter-Seele vor! Schlicht, einfach, humorvoll, behaftet mit Klischees aus den Boulevard-Medien gesaugt, aber absolut lernfähig und bereit, zusammen den Kampf gegen den gemeinsamen Feind, hier die britische Regierung unter Thatcher, aufzunehmen.

Besonders beeindruckend fand ich die Rolle des Mark Ashton in dieser Geschichte. Ob er tatsächlich der führende Kopf der ganzen Sache war und ob die Ideen, die ihm im Film zugeschrieben wurden, wirklich alle von ihm waren, weiss ich nicht. Wenn das aber so war, hat er die Gleichberechtigung von Gays in Großbritannien, in dieser Form wahrscheinlich eher ungewollt, in rasender Geschwindigkeit voran gebracht. Ihm gebührt mein voller Respekt! Denn Ashton war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 23 oder 24 Jahre jung!

Mein Fazit:

Wer im Kino kurzweilige Unterhaltung sucht, sich gerne zum Lachen und zum Traurigsein bringen lässt, ohne am Ende schluchzend aus dem Saal gehen zu müssen, wer sich für die Geschichte der schwullesbischen Gleichberechtigung in Großbritannien interessiert und wer Berg- oder Minenarbeiter und hetero ist (soll es ja noch geben 😉 ), der sollte sich PRIDE keinesfalls entgehen lassen.
Ich empfehle Euch selten einen Streifen, den man sich hinterher auf DVD oder BluRay ins Regal stellen kann, aber PRIDE ist definitiv so einer.
PRIDE startet am 30.Oktober 2014 in den deutschen Kinos und ich sage: Schaut ihn Euch an, lasst Euch zwei Stunden gut unterhalten, jeder Cent des Eintrittspreises lohnt!

WEBSITE DES FILMS (deutsch)

WEBSITE OF THE MOVIE

Meine persönliche Wertung:

5 von 5 Punkten

5 Punkte: WOW! Großartige Unterhaltung, perfekter Film! Besser geht`s nicht!
4 Punkte: Klasse gemacht, tolle Unterhaltung, nix zu bereuen!
3 Punkte: Eher was für den Kinotag oder auf Free-TV-Premiere warten!
2 Punkte: geht nicht mal im Fernsehen als gut durch!
1 Punkt : Volle Zeit- und Geldschverschwendung! Flucht aus dem Kino!