Filmkritik: DER GROSSE CRASH – MARGIN CALL

Filmkritik: DER GROSSE CRASH - MARGIN CALL, Kino, Film

Auf der Suche nach einem außergewöhnlichen Film, der mich interessieren, ja sogar begeistern sollte, fand ich „Der große Crash – Margin Call„. Die Handlung führt den Zuschauer in das Jahr 2008, als mit dem Zusammenbruch der Lehman-Bank die Weltwirtschaftskrise ausgelöst wurde. Beschrieben werden die letzten Stunden einer US-Bank, deren Mitarbeiter entdecken, dass sie sich mit riskanten Geschäften in die Pleite geritten haben. Mehr zur Handlung gibt es HIER

Während ich mir den Film anschaute, hatte ich nicht den Eindruck, dass man viel vom System der Banken und deren Geschäfte verstehen muss, um die Handlung des Films nachvollziehen zu können. „Margin Call“ lebte weniger von fachlichen Diskussionen als vielmehr vom Vermitteln der Stimmung der Entscheider in der Chefetage der Bank. Die Nervosität ist prickelnd spürbar, ebenso die Verunsicherung und Angst, die jemand in dieser Situation wohl empfinden muss. Dazu trägt auch eine Auswahl professionellster Schauspieler bei, wie Kevin Spacey, Jeremy Irons, Demi Moore und Zachery Quinto.

Der Zuschauer erhält Einblicke in die Bankenwelt, erlebt die eilig einberufene Vorstandssitzung einer existenzbedrohten Bank und die eiskalten Entscheidungen der Oberen, denen jeder Mensch (fast) völlig egal zu sein scheint.

Das alles mag sehr vereinfacht dargestellt sein, aber eines wird dabei dennoch deutlich: Das Bankensystem mag ins Wanken geraten, die Spitzenmanager der Institute aber werden überleben! Der Rest? Egal! Hauptsache „wir“. Da werden die „toxischen Papiere“ zu Schleuderpreisen an die Konkurrenz verkauft und plötzlich wird klar, dass sie wertlos sind. Die eine Bank mag überleben, das System aber ist ins Wanken geraten. Hauptsache überlebt! Kapitalismus in seiner brutalsten, rücksichtslosesten Form!

Das ist das Gefühl, das nicht nur der Film vermittelt, sondern es ist das, was viele tausend Menschen heute empfinden, wenn sie bereit sind, auf die Straße zu gehen, um gegen die Allmacht, Arroganz und den zu hohen Einfluss der großen Banken auf die Politik zu protestieren.

Es bleibt „nur“ ein Film, aber ein Regie-Debütant (J.C. Chandor) hat ein Werk geschaffen, das fesselt, das realistisch wirkt, das Angst macht, das bestätigt! Somit empfehle ich diesen Film als äusserst sehenswert. Das Gefühl am Ende des Films ist kein schönes, wo wir doch lieber ins Kino gehen, um die Realität vergessen zu können. Hier bleiben wir in der realen Welt, Flucht unmöglich. Wir haben es als Besucher dieses Films ja so gewollt…aber es lohnt sich 😉

FILM-WEBSITE

Meine Wertung: 4 ****

5 ***** – Absolut sehenswert!
4 ****  – Sehr gute Unterhaltung für einen besonderen Abend
3 ***   – Kann man sich guten Gewissens anschauen, am Kinotag!
2 **    – Manchmal frage ich mich, wen sowas interessieren soll
1 *     – Total daneben, für mich absoluter Schrott! Never again!
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