Cologne-Pride 2016: „anders.Leben!“ – CSD in Köln

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Was ein Weekend: Der ColognePride, der größte Christopher Street Day (CSD) Deutschlands, fand am vergangenen Wochenende wieder in Köln statt. Und ich war, neben den anderen 950.000 Menschen (KLICK), dabei!

2016 war irgendwie alles anders als in den Vorjahren. Ich wollte ein entspanntes Wochenende, fern des Alltags und so hatte ich meinen üblichen Ablaufplan für dieses CSD-Wochenende einfach zu Hause gelassen. Genau richtig, denn der ColognePride 2016 wurde für mich zu einem klasse Erlebnis.
Dass Karin und ein Begleiter dieses Mal schon am Samstagabend mitfeierten, war ein tolles Add-On, das zu dem o.g. Ergebnis beitrug :mrgreen: !

Der Dom in Köln

Es ist schon Jahre her, dass ich meinen Aufenthalt während des CSD in Köln kurz gehalten habe. Anfang der 2000er begann ich mich zu fragen, warum ich immer nur am Sonntag zur Pride-Parade fahren sollte, mir den Stress der Tagesreise antat und hin und zurück im übervollen Zug fuhr? Schließlich begann ich, einfach mal eine, dann zwei und später sogar drei Übernachtungen einzulegen. Aus einem Tages-Event wurde für mich ein Feier- und Demo-Weekend und der Cologne-Pride ist für mich inzwischen D E R Höhepunkt eines Jahres, so wie es für andere Weihnachten, der Jahreswechsel, der Karneval oder Geburtstage sind.

Spaß haben und mit seiner Präsenz auf dem CSD, die politische Botschaft der Demonstration unterstützen, das mit netten, gleichgesinnten, feierfröhlichen und entspannten Leuten zusammen erleben, ist inzwischen alljährlich mein Ziel, wenn ich diese bunten Tage in Köln verbringe.

bunte Luftballons über einer kleinen Gasse, die zum Heumarkt führt

Samstagmorgen startete ich mit dem Zug in die Domstadt. Die Wetterprognosen (GANZ WICHTIG 😉 ) waren nicht gerade das Gelbe vom Ei, aber ich hoffte wenigstens auf etwas Wärme und vor allem Trockenheit und in den letzten Jahre hatte sich gezeigt, dass das erste Juli-Weekend in Köln immer äusserst demofreundlich war 🙂 . Manchmal riss sogar zu Beginn der Parade der Himmel auf und die Sonne schien während der Parade vom Himmel.
Gleich vorweg: Den dicken Schauer am Samstag-Nachmittag verpasste ich, als ich eine Ausstellung besuchte, die zwei Schauer während der Parade am Sonntag hielten wir uns mit einem Schirm vom Leib. Soweit also alles jut! 😛

Der noch leere Heumarkt in Köln

Das Zimmer war noch nicht fertig, Karin kam erst viel später nach und so verbrachte ich die Zeit mit einem Gang durch die Einkaufsstraßen und einigen Proviant-Käufen 😉 .

Erstes Kölsch auf dem Cologne-Pride 2016

Der Heumarkt war zu diesem Zeitpunkt noch leer, aber ich holte mir schon mal mein 1st Kölsch zur Einstimmung :mrgreen: .

Text-Tafel der Ausstellung "25 Jahre CSD in Köln"Wie jedes Jahr fand auch 2016 das Straßenfest wieder auf dem Heumarkt und dem Alter Markt statt, die Tanzbühne befand sich wieder am Gürzenich.

Der diesjährige CSD war der 25. und somit konnte auch ein Jubiläum gefeiert werden. Dazu gab es eine Ausstellung im Rathaus der Stadt mit dem Titel „25 Jahre CSD in Köln“. Neben zwei Schaukästen, die liebevoll und detailreich zwei Szenen aus der Geschichte des Christopher Street Day zeigten (Stonewall und einen ColognePride), gab es großformatige Poster, die pro Seite zwei Jahre ColognePride-Geschichte erläuterten.Schaukästen mit Szenen aus der Geschichte des GayPride, Stonewall und ColognePride

Ich persönlich fand die (kostenlose) Ausstellung zwar schlicht und weniger groß, als ich befürchtet hatte 😉 , vor allem aber sehr informativ. Sie löste in mir ein wenig Wehmut aus, denn mir wurde diese lange Zeitspanne von 25 Jahren bewusst und die Erinnerung an meinen ersten CSD in Köln (das muss 1997 oder 1998 gewesen sein) wurde wieder wach…hach! 😉

Was nicht nur mir nach dem Anschlag auf einen Gay-Club Anfang Juni in Orlando wieder einmal klar wurde, ist die immer noch gelebte Ablehnung und oft auch Gewaltbereitschaft vieler Menschen gegenüber der Lebensweise schwuler und lesbischer oder sagen wir doch einfach, ANDERS lebender Menschen! Auch dies war Thema beim historischen Rückblick auf 25 Jahre CSD in Köln, wie Ihr auf dem folgenden Foto nachlesen könnt (einfach draufklicken):

Plakat der Ausstellung "25 Jahre CSD in Köln" im Rathaus der Stadt

Überhaupt hat die „Szene“ sehr betroffen und mit großer Anteilnahme auf die Morde von Orlando reagiert. Daran erinnert wurde während des Bühnenprogramms auf dem Heumarkt, bei „Kerzenlichter gegen das Vergessen“ und gleich zu Beginn der Parade/Demo mit dem Zeigen von Fotos der Ermordeten! Nein, der CSD ist keinesfalls eine reine Spaßveranstaltung, er bleibt immer auch die große Veranstaltung in Deutschland mit politischem Hintergrund und Forderungen nach voller, rechtlicher Gleichstellung schwuler und lesbischer Menschen, sowie Transgender! Zum Glück ist bei dem ColognePride nichts passiert!

Heumarkt, gut besucht beim CSD in Köln 2016

Am Nachmittag füllte sich der Heumarkt schnell mit vielen hundert (oder tausend 😉 ) Menschen und das Bühnenprogramm sorgte für gute Unterhaltung und vielen Rückblicken auf die vergangenen CSD`s der letzten 25 Jahre in Köln. Natürlich gab es auch 2016 wieder ein Pridebändchen, mit dem die Veranstalter zum Teil den ColognePride finanzieren. Infos dazu findest Du HIER.

Pridebändchen 2016 CSD Köln

Heumarkt-Bühne während der "Kerzenlichter gegen das Vergessen"Einer der Höhepunkte des CSD ist sicher der Programmpunkt „Kerzenlichter gegen das Vergessen“ (KLICK HIER), der um 22:00 Uhr auf dem Heumarkt stattfindet. Stunden vorher werden an die Besucher  auf dem Heumark Kerzen gegen eine Spende verteilt. Es gibt in diesen Tagen für mich keinen beeindruckenderen Augenblick: Tausende Menschen stehen mit brennender Kerze auf dem Heumarkt und schaffen tatsächlich einen Moment der absoluten Stille. Dabei wird der vielen Toten gedacht, die an den Folgen der Immunschwäche-Krankheit AIDS oder dem HI-Virus starben. 2016 wurde zudem der ermordeten Menschen von Orlando gedacht.

Es braucht immer einen Moment, bis ich dann wieder in eine fröhliche Grundstimmung komme, denn danach ist das Straßenfest für diesen Tag beendet und es geht in die Clubs und auf die Parties der Stadt…

Gedenkminute beim "Kerzenlichter gegen das Vergessen"

Mehr als 4 Stunden Schlaf, nach einem langen Tag mit abschließendem Besuch einer der vielen Parties in Köln, bleibt mir selten und so quäle ich mich Sonntagmorgens zunächst einmal sehr müde aus dem Bett. Nach dem Frühstück geht es dann wieder 😉 und die Vorbereitungen für den biggest Event des ColognePride, die große Demo, die Pride-Parade, starten. Sektflaschen, Wasser und Spritzen und natürlich die Trillerpfeiffe dürfen nicht fehlen 🙂 .

ColognePride-Parade auf der Deutzer Brücke

Was ich in den vergangenen Jahren als tollen Event mit politischen Forderungen und fröhlich feiernden Menschen wahrnahm, wirkte in diesem Jahr leider wie ein lahmer Zug von Gruppen und Wagen auf mich, auf denen sich zum Teil wenig begeisterte und etwas müde wirkende Teilnehmer befanden. Nicht nur, dass die mit Musik besetzten Wagen viel zu weit auseinander gezogen waren, es gab scheinbar auch Regeln, die das Spielen der Musik nach bestimmten Kriterien vorgaben. Als ich eine Trommelgruppe zum Spielen aufforderte, weil die gelangweilt mit ihren Trommelstöcken spielten (oder eben nicht!), sagte mir eine Mitfahrerin, sie müssten erst warten, bis auf dem Wagen vor ihnen ein bestimmtes Musikstück gespielt wird. Hä?  😕

ColognePride-Parade auf der Deutzer Brücke

Die Stimmung auf der Deutzer Brücke jedenfalls war dieses Jahr so, als würden dort rein passive Zuschauer stehen, ohne den Elan, feiern (und demonstieren) zu wollen. Vielleicht wirkten die Leute an diesem Abschnitt des Paradewegs auf die Besatzungen der Wagen ähnlich, wie diese auf mich 😛 . Eventuell ist es Zeit, 2017 mal den Standort zu wechseln.
Dennoch: W I R hatten unseren Spaß, was natürlich in erster Linie an meinen netten, charmanten Begleitern lag :mrgreen: .

ColognePride-Parade auf der Deutzer Brücke

ColognePride-Parade auf der Deutzer Brücke

Parade_GoldenBoys

Nach der Parade war die Innenstadt dann erst einmal voll, Straßenfest und Tanzbühne lockten die Besucher zum Flanieren, Essen und Tanzen. Ein kleiner Snack für uns und danach ging es noch zur Tanzbühne am Gürzenich, die dann für dieses Jahr unseren Abschlusspunkt bildete.

Für alle anderen Feiernden ging der CSD noch bis 22:00 Uhr. Auf dem Heumarkt findet dann immer die feierliche Verabschiedung statt.

So früh war ich schon lange nicht mehr zu Hause, aber es war auch mal wieder gut, das Wochenende auf diese Weise zu verbringen und sich, aus meiner Sicht, auf die wichtigsten Punkte der Veranstaltung zu konzentrieren. Schließlich wartet auf mich eine Menge Arbeit zu Hause, die ich jetzt wieder motivierter und mit der Vorfreude auf das nächste Jahr, in Angriff nehmen kann :mrgreen: .

Nächstes Jahr mache ich es dann wieder anders 😉

Schattenspiel des Bloggers auf dem CSD in Köln 2016

HAPPY PRIDE 😉

P.S.: Auch die Medien und insbesondere der Kölner Sender WDR, berichteten vielfach über das CSD-Weekend.

Seit Jahren gibt es im WDR-Fernsehen, meist am Sonntag um 23:30 Uhr, eine Zusammenfassung des CSD als Doku. Wer die Sendung verpasst hat, kann sie in der Mediathek noch einmal anschauen: KLICK HIER Sehr sehenswert!

Und H I E R gibt es nicht nur einen Bericht der Aktuellen Stunde vom Sonntagabend, sondern auch noch 20 schöne Fotos von der Parade 😉

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