Duisburger Loveparade – Trauer und Wut in Bildern

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Loveparade in Duisburg
Ort der Loveparade in Duisburg

21 Tote und über 500 Verletzte…eine erschütternde Bilanz der Loveparade 2010 in Duisburg!

Es wirkte auf mich wie ein Pilgerort: Menschen kamen mir auf dem Weg vom Hauptbahnhof zum Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs, auf dem die Loveparade am 24.Juli 2010 stattfand, entgegen, und ich sah ihren Gesichtern an, woher sie kamen! Den richtigen Weg zu finden war somit nicht allzu schwer…
Als ich um die Ecke auf die Straße des einen Tunneleingangs bog, sah ich die Brücken, die auf mich wie ein weit geöffnetes, dunkles Maul wirkten. Gruselig. Das Ende der Tunnel war weit hinten…klein…zu sehen. Davor und darin brannten zahllose Teelichter und rote Grabkerzen, standen Teddybärchen, lagen Blumen, frisch und bereits verwelkt. Und all diese Schilder mit Trauerbekundungen, Vorwürfen an Veranstalter und Stadt, aus denen die Wut Einzelner, manchmal auch Vieler sprach.

Mir bot sich ein Bild der Trauer, der (lautstarken) Verzweiflung, der Wut, resultierend auch aus dem Unverständnis der Bürger, wie sich der Duisburger Oberbürgermeister seit dem Unglück verhält. Bei manch einem Text fiel es mir schon schwer, die Tränen zu unterdrücken, die plötzlich raus wollten. Ich habe jetzt 140 Bilder bearbeitet und sie liefern ein umfassendes Bild von dem, wie der Ort des Unglücks und seine Umgebung zur Zeit aussehen.

Und da gibt es eine zweite Rampe, die mit Zäunen verstellt ist und es am Samstag wohl auch war. Warum war sie verbarrikadiert? Warum nutzte man sie nicht als Ausgang? Das Gelände ist übrigens auch von der gegenüber liegenden Seite zugänglich, auch der „Zugang“ muss gesperrt gewesen sein! Und dann der Container, auf den die Menschen sprangen, um nach oben ausbrechen zu können, an der Seite diese Treppe, an deren Fuß soviele Besucher der Loveparade starben, jetzt dort hinter einem Zaun. Mittendrin stand ich plötzlich! 🙁 Ich stellte mir vor, wie sich die Menschenmassen durch die Tunnel von beiden Seiten zwängten, spürte plötzlich die Enge, die auch durch eine tief hängende Tunneldecke erzeugt wird. Unglaublich!
Ich war nicht dort an jenem Samstag, aber durch viele Bilder und Videos, die ich im Netz gefunden und angeschaut hatte, bekam ich einen prägenden Eindruck und jetzt, am Ort der Trauer zu sein, wurde alles noch viel deutlicher.

Mein Ziel ist es, mit den Bildern jenen Menschen den Ort der Trauer näher zu bringen, die nicht die Möglichkeit haben, nach Duisburg zu fahren, um mit ihrer Präsenz Anteilnahme zu zeigen. Ihr sollt sehen, was dort in diesen Tagen vor, im und rund um den Tunnel geschieht, wie es dort aussieht, wie Menschen sich äussern und ihre Trauer ausdrücken.

Zugleich soll diese Bilderseite ein Dokument der Zeitgeschichte werden, denn die Kehrmaschinen werden kommen und das dargestellte Gedenken und die Empörung wegfegen. Es muss etwas bleiben, das die Erinnerung an das Unglück wach hält und ein Element dabei, ein Beitrag dazu, soll diese Seite mit Bildern sein. Sensationsgier, das könnt Ihr mir glauben, erst recht in einer solchen Umgebung und bei einem solchen Unglück, liegt mir fern!

Ich erkläre hier ausdrücklich, dass ich mich nicht mit allen Äusserungen, die Ihr gleich sehen/lesen werdet, identifiziere oder mir diese zu eigen mache. Aber ich möchte „Zensur“ vermeiden, denn hier soll die Realität zu sehen sein, so wie sie derzeit in und um die Tunnel herum, zu besichtigen ist!
Alles ist so in der Öffentlichkeit im Tunnel zu sehen und zu lesen.

Bei von manchem Besucher als „extremer Kommentar“ empfundener Aussage, bitte ich die Umstände, unter denen das Geschriebene entstand, zu berücksichtigen! Wenn Ihr die Stimmung dort im Tunnel erlebt hättet, könntet Ihr so Manches nachvollziehen. Verstehen möchte auch ich das ein oder andere dennoch nicht! Es gibt auch zwei Bilder, auf denen Menschen zu sehen sind, die spontan etwas schreiben wollten oder mussten, weil sie etwas zu sagen hatten, sie ihre Trauer, ihre Wut hinaus schreien und schreiben wollten!

Obwohl ich hier eine Vielzahl Bilder veröffentliche, glaube ich dennoch, dass ich es nicht schaffen werde, diese einprägsame Stimmung der Tunnel und der Rampe einfangen zu können! Fahrt hin, schaut es Euch selbst an, soweit es Euch möglich ist und Ihr es Euch zutraut. Es ist kein „lustiger Kinobesuch“, wirklich nicht, aber ich glaube, wer diesen Ort zur Zeit erlebt, versteht manches, was die Menschen bewegt, besser!

Und nun die Bilder, denen ich nur in Ausnahmefällen zur Erläuterung der Örtlichkeit einen Text hinzu gefügt habe (zur Vergrößerung der Bilder einfach darauf klicken!):

Unterführung am Aufgang zur Loveparade-Plattform

Die Tunnel aus Richtung Duisburg-Neudorf kommend

Trauerbekundung im Tunnel zum Gelände der Loveparade in Duisburg am 24.07.2010

Ein Bürger drückt spontan seine Gefühle aus...

Ein Bürger drückt spontan seine Gefühle aus…

 

Der Container, der zur Flucht nach oben aus der Menschenmasse genutzt wurde!

Der Container, der zur Flucht nach oben aus der Menschenmasse genutzt wurde!

Rücktrittsforderung an den OB...eine von vielen!

Rücktrittsforderung an den OB…eine von vielen!

Der Treppenaufgang, an dessen Fuss die Toten gefunden wurden...

Der Treppenaufgang, an dessen Fuss die Toten gefunden wurden…

An der Rampe

An der Rampe

Unter den Opfern waren auch ausländische Besucher

Unter den Opfern waren auch ausländische Besucher

Die Treppe...

Die Treppe…

Die Rampe - Der einzige Zugang hin und weg vom Gelände der Abschlussveranstaltung

Die Rampe – Der einzige Zugang hin und weg vom Gelände der Abschlussveranstaltung

Anwohner

Morgen ist die Trauerfeier in Duisburg und meine Gedanken sind bei den Angehörigen und Freunden der Opfer!

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