DIE FRISEUSE

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Filmkritik Die Friseuse, Kino Film

Der neue Film von Doris Dörrie, deren bekanntestes Werk wohl immer noch MÄNNER zu sein scheint, heisst DIE FRISEUSE.

Gabriela Maria Schmeide spielt Kathi König, eine arbeitssuchende Friseurin, die aber niemand will, weil Kathi ein Figurproblem hat. Morgens muss sie sich mit einer Leine aus dem Bett ziehen, damit sie überhaupt hoch kommt. Ihre Kleidung schneidert sie in Eigenarbeit, ganz figurbetont und auf ihr Körpermaß abgestimmt 😉

Obwohl sie ein fröhlicher, positiv eingestellter Mensch ist, will sie niemand einstellen, denn dick sein ist ein Manko im Friseurhandwerk, bei dem offensichtlich Vieles auf das Äussere abgestimmt ist. Und wer die Bilder der nackigen Kathi sieht, wie sie morgens aus dem Bett kriecht, der wird mit seinen persönlichen Ansichten zu diesem Thema sehr direkt konfrontiert.

Hinzu kommen dann noch die Konflikte mit der pubertierenden Tochter und die beruflichen Probleme mit ihren weniger legalen „Nebenjobs“, die Kathi annimmt, um sich den Traum vom eigenen Laden in einem Einkaufszentrum erfüllen zu können.

Zugegeben, ich musste viel lachen in diesem Film, weil durch die bewegliche Einschränkung von Kathi schon einige lustige Aufnahmen entstanden und ich gebe offen zu, dass ich mit volumigen Menschen dieser Art durchaus meine Probleme habe (vielleicht auch, weil ich ähnliche Erfahrungen mache, wie Kathi selbst, die zu Beginn des Films gleich derbe angebaggert wird, nur weil sie zu einem anderen Übergewichtigen freundlich ist!). Wenn Kathi beispielsweise nur noch seitlich gehend durch eine Tür passt, versinke ich in völligem Unverständnis und frage mich, was es noch braucht, um etwas an sich ändern zu wollen…

Natürlich geht der Film auch auf die Gründe für Kathis Übergewicht ein. Sie isst definitiv zuviel und zu ungesund und dies scheint sich aus ihrer Lebenssituation zu ergeben: arbeitslos, zerstörte Ehe, Einsamkeit, Konflikte mit der Tochter.  In einer fiesen Rolle ist übrigens auch Maren Kroymann zu sehen 😉

Die Form der Vorbehalte oder ich nenne es besser „Diskriminierung“ gegenüber dicken Menschen, erfuhr übrigens auch die Regisseurin, Doris Dörrie, als sie als dicke Frau verkleidet durch Berlin lief. Danach war sie überzeugt, dass sie den Film machen musste, sagte sie anlässlich der Berlinale im 3sat-Interview.

Der Film hat einiges zu bieten, ist kurzweilig, amüsant, manchmal dann doch ernst und bietet hinterher genügend Gesprächsstoff für eine Unterhaltung in der Kneipe.

Website des Films

Meine persönliche Wertung:

3,5 von 5 Punkten

5 Punkte: Die DVD kauf ich mir, wenn der Film raus kommt
4 Punkte: DVD schau ich mir nochmal an, bei Gelegenheit
3 Punkte: Eher was für den Kinotag, evtl. nochmal was fürs Free-TV
2 Punkte: geht nicht mal am Kinotag als gut durch
1 Punkt : Boah, was ne Zeit- und Geldschverschwendung!

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