Respekt

Fussball und Homosexualität: Gelebte Klischees im Iran

Schwul und Fussball? Geht gar nicht! So empfinden zumindest viele, für die dieser Ballsport schließlich eine absolut männliche Domäne ist!

Naja…wir wissen ja, dass Letzteres nicht mehr so ganz gilt, spielen doch unsere deutschen Frauen im National-Mannschafts-Dress seit längerem konstant erfolgreicher, als die Herren :shock: ! Och… :razz:

In letzter Zeit haben sich allerdings mehr und mehr homosexuelle Fan-Clubs gegründet und die Reaktionen, die ich der allgemeinen Presse entnehmen konnte, waren eher positiv. Das ist gut so. Es schafft Verhältnisse, die ich generell als “normal” bewerte.

Das allgemeine Vorurteil, das, ich würde behaupten, bei einer Vielzahl von Menschen zunächst in den Kopf schießt, wenn sich ein Mann als “schwul” outet, ist doch immer noch die eines bestimmten Sexaktes zwischen Männern, ganz gleich, ob dieser nun von gerade diesem Betroffenen praktiziert wird oder nicht! Und das ist auch das Perverse an der ganzen Outerei: Schwule werden zunächst auf das Sexuelle reduziert und weiss der Henker, was in den Köpfen dieser vorurteilsbehafteten Menschen dann noch alles vorgeht… :eek:

So ist es auch beim Fussball. Auch hier kommen dümmste Klischees auf den Tisch (Duschen und Seife fallen lassen, Tor-Freude, umarmen etc.), so als würden schwule Männer hirnlos und rein sexgesteuert durch die Gegend laufen, am liebsten über JEDEN Mann herfallen wollen und, im Falle von Fussballern, nur mal gelegentlich beim Geld verdienen gegen den Ball treten. Dass diese Klischees auch von “Kollegen”, Trainern und anderen Bediensteten der Verbände und Vereine geäussert werden, macht die Sache nicht nur schlimmer, es zeigt auch, dass Intelligenz und beruflicher Erfolg nicht unbedingt etwas mit Lebensweisheit und zwischenmenschlichen Erfahrungen zu tun haben müssen!

Für mich ist daher die Erfüllung der Klischees von angeblich typisch schwulen Verhaltensweisen immer schon ein rotes Tuch gewesen. Ich weiss nicht, warum ich im Gay-Bekanntenkreis eine Weiblichkeit an den Tag legen muss, die ich ansonsten auch nicht lebe, warum ich eine Hand abknicken oder tuntig affektiert reden muss? Um meine Freunde zu beeindrucken? Um das Rollenspiel mitzumachen? So war ich vor meinem Coming Out nicht und so muss ich auch danach nicht sein. ” I am what I am…”, genau, und nicht, was andere wollen oder wie andere mich gerne sehen möchten!

Daher finde ich das, was während eines Fussballspiels im Iran jetzt passiert ist, nicht nur taktlos und dumm, sondern völlig inakzeptabel! Beim Torjubel fasste ein Spieler (Nummer 6) einen anderen (Nummer 13) so deutlich nicht nur an den Po, er nutzte seinen Finger offenbar auch so, dass der sich (über das Tor!) freuende Spieler plötzlich zuckte und in Richtung des attackierenden Spielers schaute. Es war ihm anzusehen, dass dies kein Zucken der Erfreuens war…

Einige Zeit später, selbes Spiel. TOR! Freude! Diesmal fasst der zuvor “angebohrte” Spieler mit der Nummer 13 einem unter ihm liegenden Spieler offensichtlich gezielt da hin, wo ein Mann ungern eine fremde Hand spürt, ausser es passiert in einem sehr privaten Rahmen und wird von beiden gewünscht!

Privat ist ein öffentliches Fussballspiel, zumal vom Fernsehen in Millionen Haushalte des Iran übertragen, wohl kaum zu nennen. Daher frage ich mich, wie dämlich denn diese beiden Spieler sein mussten, dass sie sich auf ein derartig primitives “Spielchen” einlassen mussten? Diese beiden haben genau jene Klischees erfüllt, die ich oben beschrieben habe und wer so respektlos und rücksichtslos gegenüber seinen Mitspielern ist, der muss sich nicht wundern, dass sein Handeln Konsequenzen hat und er vom Spielbetrieb suspendiert wird! (KLICK)

Hinzu kommt noch, dass der Iran nicht irgendein liberaler, westlich orientierter und nach freiheitlichen Werten strebender Staat ist, sondern eine knallharte Religions-Diktatur mit einem offensichtlich wenig gebildeten, vielleicht sogar zum Irrsinn neigenden weltlichen Alibi-Staatspräsidenten. Im Iran können homosexuelle Handlungen mit dem Tode bestraft werden! Das nur nebenher und soviel zur Dummheit der beiden Grapscher.

Ganz deutlich: Sport ist Sport! Arbeit ist Arbeit! Das Ausleben sexueller Triebe, ob hetero, bi oder homo ausgerichtet, gehört nicht in diese beiden öffentlichen Bereiche!!! Das hat auch etwas mit Rücksicht und Respekt anderen gegenüber zu tun, die nicht belästigt werden möchten!

Ich bin ja nun, auch aufgrund meiner recht offen geschriebenen Blog-Beiträge und dem starken Ausleben der freien Meinungsäußerung, ganz sicher nicht gerade als “Spießer” bekannt, aber manche Dinge sollten eben da ausgelebt werden, wo sie passen und wo man andere damit nicht vor den Kopf stößt! Aber selbstverständlich weiss auch ich und erlebe es auch immer wieder, dass es durchaus nicht wenige Männer gibt, die, sobald gewisse Urtriebe des männlichen Menschen angespornt sind, die Kontrolle verlieren und denen dann in solchen Momenten irgendwie alles egal zu sein scheint, wofür sie sich ansonsten aber in der Öffentlichkeit schämen würden. Ich weiss, es ist armselig, aber so können Männer manchmal eben auch sein… :roll:

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Erfahrungen und Konsequenzen!

Generelle, zwischenmenschliche Probleme provozieren in mir zunächst die Frage: Was habe ich falsch gemacht? Diese Verhaltensart ist wohl eher selten, neigen doch die meisten Menschen dazu, Fehler und eine „Schuld“ zuerst bei anderen zu suchen, scheint ja auch einfacher zu sein.

Einmal mehr zeigte sich in der vergangenen Woche gleich in mehreren Fällen, dass meine Grenzen von Toleranz, Verständnis und scheinbar unermesslicher Geduld, bestimmten Personen immer wieder neue Chancen geben zu wollen, erreicht sind. Bisher habe ich nicht eingesehen, warum ich, aufgrund meiner Erfahrungen in Einzelfällen, mein allgemeines Verhalten ändern sollte. Aber so langsam habe ich wohl ein Alter erreicht, in dem ich diese Einzelfälle nicht mehr als solche wahrnehme, sondern daraus eine Allgemeingültigkeit ableiten sollte oder besser gesagt Konsequenzen ziehen sollte! Zuviele Deja-Vus hat mein Hirn inzwischen speichern müssen und meinen Eindruck, dass Nachgiebigkeit und meine Bereitschaft zu Kompromissen (gerne) schnell missverstanden und ausgenutzt werden, sehe ich nun in einem unerträglichen Maß bestätigt.

Das Enttäuschende dabei ist eigentlich, dass unter diesen Deja-Vus auch Erlebnisse mit Menschen sind, die mich seit Jahren und Jahrzehnten kennen (sollten). Schließlich bin ich ein Typ, der sein Verhalten anderen gegenüber erklärt, wenn ich in ihren Gesichtern Verwunderung oder Unsicherheit als Reaktion auf Äußerungen oder Handlungen von mir, abzulesen glaube. Das kostet mich inzwischen eine ganze Menge an Energie, denn immer häufiger passiert es mir, dass Leute zweideutige Dinge scheinbar gerne zuerst negativ verstehen möchten.

Wieviel Geduld muss ich eigentlich aufbringen, um mit anderen Menschen ein ganz normales, zwischenmenschliches Verhältnis begründen oder aufrecht erhalten zu können??? Immer häufiger erfahre ich Rücksichtslosigkeit, Kompromisslosigkeit, geringe Wertschätzung und Extrem-Egoismus mir gegenüber. Das zeigt sich auch in Handlungen, die, ungeachtet meines Einwandes, trotzdem ausgeführt werden. Beispiel: Obwohl ich deutlich machte, dass ich beim Duo-Cruising von einem Freund nicht angegrapscht werden wollte, versuchte er es dennoch immer und immer wieder, obwohl ich oft genug NEIN gesagt hatte. Das ist von mir als unverschämt, respektlos und rücksichtslos empfundene Art aufgenommen worden und begründete schließlich einen sehr eindeutigen Eindruck von seiner Sichtweise auf mich. Früher habe ich sowas im Nachhinein thematisiert, heute glaube ich nicht mehr, dass es irgendetwas bringen oder ändern könnte. Also lasse ich es und ziehe für mich daraus entsprechende Konsequenzen!

Noch enttäuschender finde ich gewisse Verhaltensweisen im Familienkreis. Hier ist wohl jeder noch eher bereit, immer wieder zu verzeihen oder auf den anderen zuzugehen. Manchmal, so finde ich jetzt aber, geht es nicht mehr anders, als die Notbremse zu ziehen und einer Person eindeutig zu sagen: „Ich wünsche keinen Kontakt mehr! Basta!!!“
Natürlich ist das wirklich der letzte Weg, aber ich denke, nach jahrelanger, besser jahrzehntelanger Erfahrung im Umgang mit einem Menschen, wieder und wieder erfahrener Respektlosigkeit und immer wieder eingefordertem Verständnis für die andere Seite, ohne meine Einwände und Kritiken ernsthaft beachten zu wollen, geht es gar nicht mehr anders, wenn man nicht gerade ein bekennender Masochist ist! Da wirkt auch der Spruch „Freunde kann man sich aussuchen, Familie nicht!“ geradezu lächerlich auf mich. Ich habe inzwischen gelernt, dass eine stark ausgeprägte Form konsequenten Handelns als Reaktion auf inakzeptable Handlungen anderer, der richtige Weg sein muss, will man sich nicht irgendwann in die Klappse einliefern lassen.

Natürlich setzt ein endgültiger Entschluss, die Unmöglichkeit eines Gesprächs auf gleicher Augenhöhe, voraus. Zuvor sollte alles erdenklich Erträgliche versucht worden sein, einen zwischenmenschlichen Kontakt im familiären Bereich zu kitten, wenn massive Probleme auftreten. Hat man es allerdings mit einem krankhaften Egoisten und Besserwisser zu tun, der andere Individuen und Lebensweisen nicht respektieren will (kann), der seine Lebensart auf eine andere Person übertragen sehen will und zudem noch alles Ausgesprochene im negativsten Sinne verstehen möchte und gegen sich gerichtet sieht, dann ist die Überlegung primär und mehr als dringlich, wie lange es, ohne zurück bleibende geistige Schäden in der eigenen Psyche zu erleiden, möglich sein kann, mit einem solchen Menschen den Umgang zu pflegen. Familie hin oder her!

Klar, ein solches Verhalten erfordert Kraft und Duchhaltevermögen und gerade deshalb glaube ich, kann der ein oder andere das nachvollziehen. Denn einen solchen Schritt macht man nicht „mal eben“ und aus einer Laune heraus, da muss dann wirklich etwas Unerträgliches vorgefallen sein!

Mit diesen beiden Vorfällen noch nicht genug belastet, startete ich vor etwas über einer Woche auch den Versuch, mal wieder Jemanden kennen zu lernen. Es war ein Gayromeo-User, der mit seinem Chat bei mir eine gewisse Sympathie ihm gegenüber auslöste. Es ist wirklich selten, dass ich heute noch Menschen treffe, weil ich sie in irgendeiner Art und Weise schon für etwas „Besonderes“ halte und die mir, mitten im Mainstream des schwulen Gehampels, positiv auffallen.

Daraus dann aber gleich eine große Erwartung abzuleiten, wie es viele schwule Männer machen, halte ich für falsch, verfrüht und ein Verhalten, das meiner Erfahrung nach, nie zu irgendeinem wirklich gewollten Ziel führt.

Kennenlernen bedeutet aus meiner Sicht, sich gegenseitig die Möglichkeit geben zu wollen, mehr von sich Preis zu geben. Ich schreibe hier nicht von einem Sexdate, sondern dem Willen, sich auf eine andere Person einlassen zu wollen. Ob und was letztendlich aus einem solchen Kontakt werden kann, zeigt sich erst im Laufe dieses Prozesses. Ich bin nicht der Typ, der gleich nach einem ersten Treffen mit Komplimenten um sich wirft, habe ich doch schon oft genug erlebt, dass viele zunächst einmal ihre „angenehmste Seite“ präsentieren wollen, einem sogar oft genug nach dem Mund reden, nur um gefallen zu wollen. Ätzend!

Ist diese Art der Erwartungshaltung noch recht anspruchslos bei mir, glaube ich aber, in anderer Hinsicht gewisse Ansprüche stellen zu dürfen, wenn mir jemand klar gemacht hat, mich kennenlernen zu wollen. Dennoch liegt gerade hier bei der anderen Seite scheinbar das Problem. Vor 9 Tagen haben wir uns getroffen und das Treffen hatte Spaß gemacht. Wohl Beiden. Er war ein echt netter Mann, der sogar noch Platz für Träume und Pläne in seinem Leben hat. Das Gespräch war kurzweilig, riss nie gänzlich ab, was ich immer als ein Zeichen für eine gewisse Harmonie deute.

Die folgenden vier Versuche, ein weiteres Treffen zustande zu bringen, scheiterten dann aber. Natürlich ist es nie ganz leicht, ein bisschen Zeit frei zu schaufeln, wenn man andere Verpflichtungen im Leben hat. Ich wundere mich dann allerdings, wenn alle Versuche von mir ausgehen und von der anderen Seite nie ein konkreter Vorschlag für ein Treffen kommt. Zwar bin ich nicht der Typ, der zu Hause eine Strichliste darüber führt, aber wenn es merklich wird, frage ich mich schon, ob ich da jemandem hinterher laufe oder warum nie ein Vorschlag von dem kommt, der mich doch eigentlich auch kennenlernen wollte. Muss man den Leuten sowas eigentlich immer sagen? Kommen die da nicht mal selbst drauf???

Finde ich einen Menschen so interessant, dass ich mehr von ihm erfahren möchte, bin ich auch bereit, meinen Tagesablauf anders zu gestalten, um ein Treffen zu ermöglichen. Er bekommt eine gewisse Wertung, die kurzfristig bei mir auch mal einen etwas höheren Stellenwert haben darf, als andere Dinge. Und all das, was mir im Leben wirklich wichtig erscheint, lässt sich auch schon mal verschieben, ohne das dadurch Nachteile entstehen. Flexibilität nenne ich das…ist dieses Verhalten denn so ungewöhnlich??? Fast scheint es mir inzwischen so…

Nach dem ersten Treffen, gab ich ihm meine Festnetz-Nummer. Da Gayromeo nicht meine bevorzugte Kommunikations-Plattform ist und mir Handy-Gespräche auf Dauer zu teuer sind (SMSes sowieso), ist der meistens inzwischen mit einer Flat ausgestattete Festnetz-Anschluss, nicht nur die unkomplizierteste, sondern auch günstigste Variante, sich verbal weiter auszutauschen. Dass ich im Gegenzug keine Festnetz-Nummer erhalte, ist für mich nichts Neues. Zuviele Leute sind angeblich oft genug belästigt worden und nehmen dieses Argument gerne, um ihre Nummer vorerst „geheim“ zu halten! Das ist zu akzeptieren. Dass die andere Seite allerdings diese Möglichkeit des Gesprächs nicht ein einziges Mal nutzt, wird irgendwann von mir als Desinteresse verstanden und ich frage mich, was das Gequatsche über das „nette (erste) Treffen“ dann sollte….

Manchmal glaube ich, zu ungeduldig zu sein, aber dann denke ich an eine geschätzte Entfernung von immensen 30 km und einem inzwischen vergangenen Zeitraum von 9 Tagen, dass es schon ungewöhnlich ist, wenn es zu keinem weiteren Treffen kommen kann. Wer immer nur darauf wartet, dass alles von der anderen Seite ausgehen muss, der kann bei mir inzwischen lange warten. Ich habe gelernt, viele Unternehmungen allein zu starten, will ich in diesem Leben überhaupt etwas erleben und genießen, nachdem ich oft genug erfahren musste, dass jene, mit denen ich verabredet war, Termine nicht so ernst nahmen, wie ich, und die spontan, oft ein anderes (Sex-)Date mir dann vorzogen. Ein wirklich „gutes Gefühl“, was aber auch viel über die Charaktere der Leute und ihre Unfähigkeit, Freundschaften pflegen zu können, aussagt! Irgendwann akzeptierte ich es und stellte mein Verhalten darauf ein.

Wenn mir dann jetzt ein Mensch begegnet, der mich zwar kennenlernen will, mir aber gleichzeitig durch sein Handeln vermittelt, die Sache mit mir sei ihm dann doch nicht so wichtig, verliere ich als Reaktion darauf, natürlich auch schnell das Interesse, ihm noch mehr meiner Zeit schenken zu wollen. Und ich frage ja jetzt schon im Vorfeld, was derjenige denn unter „kennenlernen wollen“ versteht, aber dennoch liegen da bei einer Antwort auf diese Frage Welten. Schade!

Alles in allem war die letzte Woche eine, deren Ereignisse mein Verhalten, aber auch mein Leben verändern werden. Mir ist klar geworden, dass ich gemachte Einzel-Erfahrungen eben nicht immer ignorieren sollte, sondern auch zu einer Entscheidung kommen muss. Es ist nicht mein Bestreben, mich so verhalten zu wollen, wie andere es längst tun, insbesondere in meinem Alter. Bei neuen Kontakten beispielsweise immer in Schubladen zu denken, in die Personen gesteckt werden, darf nicht mein Ding werden. Ich liebe die Offenheit und Flexibilität, die Vielfalt und Toleranz. Aber irgendwie bekomme ich diesbezüglich viel zu wenig zurück und wer lebt schon gern permanent mit Defiziten???

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Internet-Diskussionskultur – Von Könnern und Nieten

Ja, diskutieren ist nicht immer leicht. Besonders im Internet! Das Schwierige daran ist eigentlich, dass man bei unterschiedlicher Meinung stets die Höflichkeit und den Respekt vor dem anderen beibehält, der ja meist anonym und erst recht nicht persönlich zu sehen ist. Das gelingt allerdings leider nur sehr selten.

Wenn man sich in den Foren großer Zeitschriften oder in den Kommentar-Feldern von Blogs umschaut, ist schnell zu erkennen, dass viele Menschen mit Hilfe der Antwort-Funktion eher ihren persönlichen Frust, als konstruktive Beiträge loswerden wollen. Wie will man aber auch vernünftig seine Meinung publizieren und auf andere Posts reagieren, wenn es schon jenseits der virtuellen Welt, z.B. in der Familie oder im Freundeskreis, nicht mehr möglich ist, eine gute Diskussion zu führen und man eher gelernt hat, lauter als die Anderen zu reden oder gar zurück zu treten, als argumentativ in ruhigem und sachlichen Ton auf andere Meinungen einzugehen?

Das größte Manko einer Diskussion im Internet ist aber, dass man nicht direkt auf eine Äußerung reagieren, heisst nachfragen kann, wenn diese mehrdeutig zu sein scheint. Was dem Absender als eindeutig klar gewesen sein mag, kann beim Adressaten durchaus als andere Version ankommen. Wer sich da anschließend hinein steigert, bringt die Diskussion in Bahnen, die für das Internet noch ungeeigneter sind.

Mir ist es inzwischen zuwider, meine Zeit für Kommentare zu opfern, die scheinbar gerne missverstanden werden oder deren Worte für einen eindimensional denkenden Empfänger schlicht falsch interpretiert werden. Eine Portion verbaler Agression als Antwort, tötet in mir sofort jeden Willen, darauf zu antworten oder besser “sanft” zu antworten. Meistens habe ich mich aber noch im Griff, weil ich immer versuche, mich gedanklich in die andere Person hinein zu versetzen. Außerdem bemühe ich mich bei Missverständnissen auch um Aufklärung bzw. weitere Erläuterungen.

Oft begehe ich den Fehler zu glauben, die andere Seite könnte ebenso offen für neue Gedanken sein, wie ich und sich ebenso bemühen, die Gedanken des Kommunikationspartners nachvollziehen zu wollen. Auch werden gemeinsame Schnittpunkte nur selten anerkannt und hervorgehoben, es scheint aufregender zu sein, sich verbal am “Diskussions-Gegner” zu reiben.

Gerade in Foren, in denen der/die Betreiber/in mehr positive Zustimmung in Form von Kurz-Posts wie “Genau, da hast Du recht!” oder “Klasse Artikel!” von ihren Lesern/innen bekommen, was ja ausgezeichnet konstruktiv ist :roll: , scheint mir die Kritikfähigkeit besonders gering zu sein. Klar, bekommt man in der Regel nur Streicheleinheiten und so ist die als geschwungene Verbal-Rute empfundene Kritik, dann natürlich ein Schock :lol: .

Aber ist nicht gerade das die Kunst und die Herausforderung beim Betrieb eines öffentlichen Meinungs-Angebots im Internet, damit umgehen zu können? “Wer sich in Gefahr begibt, kann darin umkommen”, das gilt auch, wenn man seine Lebenstheorien ins WWW stellt und Kommentare zulässt. Schließlich hat jeder eigene Erfahrungen gemacht und will sie vielleicht mitteilen und natürlich sind die differenziert. Wer diese individuellen Erfahrungen abkanzelt, der entzieht sich wohl nur allzugern der Realität und was ist in einer Gesellschaft überhaupt spannender, als Informationen aus erster Hand zu bekommen? Logo, manche produzieren sich gerne selbst, stellen sich als das allumfassende Lexikon dar oder wollen ihre Meinung/ihre Erfahrung als allgemeingültig verkaufen, aber oft genug sind das dann auch genau die Vorwürfe jener, die ein Totschlag-Argument brauchen, um eine unliebsame Meinung zum Schweigen bringen zu wollen!

Die meisten wollen sich im Net gerne als schönster, bester und tollster Mensch präsentieren und Kratzer am Image, so glauben sie, könnten ihnen unmittelbar schaden, weshalb sie ungern öffentlich Kritik zulassen möchten. Eine unprofessionell wirkende Reaktion auf die Kritik offenbart allerdings auch die Schwäche einer Person im Umgang damit.
So folgen viele bl(i)ond aber auch dem Trend in der Gesellschaft, wonach die Annahme einer Kritik (fälschlicherwiese) als Schwäche ausgelegt werden, eine nicht mehr lupenreine Präsentation des Ichs gleichzeitig den kompletten Ruf schädigen könnte. Wer sich dem gesellschaftlichen Anspruch unterwirft, der sollte überlegen, ob er die Kommentar-Funktion überhaupt zulassen will! 

Die fehlende Fähigkeit mit konstruktiver Kritik umgehen zu können, das Empfinden von unbedingter Pflicht, jeden Kommentar beantworten zu müssen, dies gar als Stress zu empfinden kombiniert mit einer Unlust, sich über mehr als zwei Posts mit einem Schreiber/einer Schreiberin auseinandersetzen zu müssen, kann schließlich dazu führen, eine Unterhaltung nicht mit einem neutralen Schweigen zu beenden. Stattdessen wird darauf hingewiesen, dass der Kritiker doch nicht in diesem Blog oder Forum mitlesen muss, wenn ihm das Geschriebene nicht passt! So geht das auch, Öffentlichkeit erzeugen zu wollen heisst eben nicht unbedingt, dass ich mich auch wirklich an die ganze Öffentlichkeit richten möchte! Diese Art wirkt allerdings eher unprofessionell oder unreif und passt letztendlich vielleicht sogar zu dem Stil, in dem der/die Betreiber/in den Blog oder das Forum betreibt. Die Folge sind langfristig ganz sicher weniger Besucher und Diskussions-Teilnehmer, aber wer eben nur zustimmende User für sein/ihr Ego braucht/sucht, wird damit leben können. Ob damit aber tatsächlich ernste Ziele erreicht werden können und das langfristig, wage ich zu bezweifeln!

Die Gründe für ein derartiges Verhalten hinterfragt der/die Abgefertigte am Ende kaum und es wird ihn/sie auch nicht mehr interessieren, ob der Betreiber unter Druck steht oder einfach nur schlechte Laune hatte. Auch hier wieder der Nachteil: Im Internet sieht man den Gegenüber nicht, sofern keine Cam läuft. Es fehlen die Emotionen in der Stimme, die Gestik und die Mimik, die eine gute Unterhaltung in der Regel in der Real-World ausmachen! 

Um einen Eklat zu vermeiden, sollte eine virtuelle Unterhaltung eben mit beiderseitigem Respekt geführt werden. Natürlich ist bei dem einen die Schwelle der gefühlten Respektlosigkeit niedriger als bei dem anderen, aber wenn man mit diesem Wissen in eine Unterhaltung startet, sollte das kein Problem werden. Aggressive Worthülsen und ein unsympathischer, unsachlicher Schreibstil, sollten generell vermieden werden denn sie provozieren nur unnötig den Gegenüber. Negative Unterstellungen, die man einer Äusserung entnehmen zu können glaubt, sollte man zunächst hinterfragen, bevor mit dem Worthammer zurück geschlagen und dem Diskussions-Partner eventuell ungerechtfertigt ein virtuelles blaues Auge verpasst wird.

Würden sich die Menschen auf dieser Ebene im Internet unterhalten können, gäbe es sicher weniger Missverständnisse, aber leider ist das eher selten der Fall und viele bekommen es ja nicht einmal in der echten Welt hin. Schade…

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Ein hin und wieder komplizierteres Leben als das "Normale"…

Am Anfang dieses Artikels steht die Frage nach dem, was “normal” sein soll? Für mich gibt es da nur individuelle, aber kaum noch allgemeingültige Antworten, denn die Gesellschaft hat sich so immens individuell entwickelt, dass jeder auf der Straße bei der Frage “Was ist für Sie normal?” wahrscheinlich nur Allgemeines antworten würde, wie “Die Sonne, die morgens aufgeht, das ist normal für mich!”

Seit einigen Jahrzehnten versuche ich nun, mich der Welt um mich herum zu erklären. Wenn man, wie ich, jenseits mehrerer “normaler” Normen lebt, und das sage ich nicht aus einem gewissen Stolz oder gar einer Arroganz heraus, sondern vielmehr nach einem Fazit, das ich nach der Begegnung mit so unwahrscheinlich vielen Menschen in meinem bisherigen Lebens ziehen kann, sollte man den Menschen, die einem etwas bedeuten oder die ein gesteigertes Interesse an einem zeigen, hin und wieder erklären, warum gerade das getan oder jenes gesagt wurde, wenn Du ein Fragezeichen auf ihrem Gesicht oder Du eine gewisse Reaktion von ihnen erfährst, die eine Erklärung folgen lassen sollte. Damit werden Missverständnisse vermieden. Soweit mein Verständnis von einem “normalen” Umgang und Leben miteinander…

Manchmal ist ein eventuell aufgetretenes Missverständnis schnell mit einem nachgeschobenen Lächeln aus der Welt, manchmal aber braucht es eine zeitintensive Unterhaltung, um zwei Menschen unterschiedlicher (horizontaler!!!) Denkebene auf einen Level zu bringen.

Nun habe ich damit einige Erfahrungen gesammelt, wenige positive und leider mehr negative. Die positiven sind schnell zusammengefasst: Es entwickelten sich Freundschaften, weil ich nicht missverstanden wurde und weil Andere erkannt haben, dass auch Menschen, die ausserhalb der ein oder anderen Norm leben, Werte haben können :-P Natürlich setzt das auch eine gewisse geistige Leistung voraus, die, und das meine ich gar nicht mal beleidigend, natürlich Voraussetzung für ein (Mit)Denken jenseits üblicher Grenzen möglich macht. Auch ein unglaubliches Feingefühl, eine gute Zuhörergabe und die Bereitschaft, sich auf einen anderen Menschen einlassen zu wollen, auch wenn dieser recht kompliziert sein kann, habe ich bei anderen als Voraussetzung dafür wahrnehmen können, dass sie sich auf mich einließen.

Hin und wieder stellt sich mir im Leben dann aber die Frage, und jetzt komme ich auch schon zu den negativen Erfahrungen, was ich noch alles tun soll, um mein Verhalten zu erklären. Mehr als das Auszusprechen, was ich denke und fühle, kann ich nicht und noch einfacher machen kann man es dem Gegenüber ja gar nicht. Wenn ich da also Zweifel der anderen Seite vermute, frage ich mich: “Wo ist das Vertrauen zu mir??? Sind meine Worte nur Luft, die verpuffen, die nicht als ernst gemeint in den einen Gehörgang wandern und aus dem anderen ungefiltert wieder austreten???”

Freundschaften ohne Vertrauen gibt es aus meiner Sicht nicht und wer glaubt, ich mache den Affen und gestatte eine einseitige Kommunikation, bei der nur ich erzähle, der andere aber nur der Lauscher ist und er mir damit permanentes Desinteresse an meiner Person vermittelt, den muss ich enttäuschen. Diese leistungsfreie Art einer Freundschaft verdient nicht die Bezeichnung, die ich gerade schrieb!

Wenn ich Jahre mit einem Menschen zu tun habe, viel und gerne Zeit mit ihm/ihr verbringe, dann spreche ich ein Problem natürlich an. Klar, Kritik zu verfassen, sie abzugeben, ist nicht immer leicht für den Empfänger. Aber leicht ist es doch dann eigentlich für den Menschen, mein Denken, mein Empfinden und meine Reaktionen auf sein/ihr Verhalten kennenzulernen…oder??? Deshalb bin ich jedesmal dankbar, wenn ein mir nahe stehender Mensch ausspricht, was ihm in der Beziehung zu mir nicht passt…oder auch gefällt ;-)

An der Reaktion, wie es aufgenommen wird, erkenne ich, ob jemand überhaupt kritikfähig und auch offen dafür ist. Eigentlich, das habe ich gemerkt, macht es eine schroffe Ablehnung oder die Verhöhnung der Kritik seitens der/des Kritisierten fast unmöglich, eine bis dato vermutete Freundschaft in der bisherigen Art fortzusetzen, denn wer nicht offen für die Kritik jener Menschen ist, die einem besonders nahe stehen, der lebt offensichtlich abgeschlossen von seiner Umwelt einsam mit dem eigenen Ich und ist derart von sich und seinem Handeln überzeugt, dass sie/er die Schotten bei jeder, dann als “Angriff” empfundenen Kritik, dicht macht. So meine Erfahrung.

Ob es tatsächlich Menschen gibt, die wandlungsbereit sein wollen, ist noch eine Erfahrung, die ich gerne unter den “positiv erlebten” ablegen würde, aber bisher bin ich nur solchen Menschen begegnet, die die Wandlungsbereitschaft spätestens dann blitzschnell wieder aufgaben, wenn sie mich nicht zum Fi**** zum gemeinsamen Ausleben der zwischenmenschlichen Leidenschaft bringen konnten :evil:

Ob wir alles akzeptieren müssen, was wir mit einem anderen Menschen erleben, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Und ob wir mit der ein oder anderen Verhaltensweise umgehen möchten/können/wollen, entscheidet auch wieder jeder für sich. Die Belastungsgrenzen sind da sehr unterschiedlich. Wichtig für mich sind immer das gegenseitige Vertrauen, der Respekt zueinander und ein hohes Maß an Aufrichtigkeit. Erkenne ich bei der anderen Seite ein Defizit, fahre ich alle Systeme automatisch herunter, wenn ich auf meine Nachfragen keine befriedigenden Antworten bekomme und da bin ich inzwischen sehr konsequent geworden, womit Viele ja überhaupt nicht umgehen können, weil ich dann aus deren Sicht plötzlich ein ganz anderer Mensch zu sein scheine. Es gibt wohl nur eine einzige Person in meinem Leben, wo ich sehr hartnäckig wäre und mein konsequentes Handeln nicht so schnell ausüben würde, wenn ich in der Beziehung zu dieser Person ein Problem erkennen würde… ;-)

Ich empfinde es zuweilen als schlimm, wenn hilflose Verhaltensweisen, entstehen, weil die andere Seite mein Handeln, Herunterfahren der Systeme nannte ich das vorhin, nicht mehr versteht und ich jegliche Erklärungsversuche eingestellt habe. Fast könnte Mitleid bei mir mit Jenen aufkommen, die der Kommunikation leider nicht (mehr???) mächtig sind, sein wollen oder sich ihr entziehen und die meinen, die Erde drehe sich ausschliesslich um sie und man müsse sich einseitig immer wieder nur um sie bemühen, ohne selbst etwas Einbringen zu müssen. Nein, so läuft das nicht!

Manchmal glaube ich sowas wie “Verzweiflungstaten” oder “Verzweiflungsreaktionen” aus dem plötzlich recht aggressiven Handeln dieser Leute herauszulesen. Da ich aber keine Antworten auf meine Fragen bekomme, ich es dann meist aber auch schon aufgegeben habe, Fragen zu stellen, bleibt dies nur eine Vermutung.

Eigentlich müsste ich an dieser Stelle zu dem Fazit gelangen, dass ich mich niemandem mehr erklären sollte, weil es schlicht zu anstrengend und zu aufwändig ist. Aber genau DAS kritisiere ich bei anderen Menschen und vielleicht ist es eine Marotte meiner Altersgruppe, die, je näher sie der 40, 50 oder 60 kommt, gerne versucht, ein “bequemeres” Leben zu leben. Ihr erinnert Euch sicher, dass ich das Thema hier im Blog schon mehrmals bei anderen Gelegenheiten ausgeführt habe…

Ich will weiter neugierig bleiben, weiter neue Menschen kennenlernen und weiter offen bleiben können, wobei ich natürlich auch merke, dass auch bei mir, aufgrund meiner gemachten Erfahrungen, schnell die ein oder andere Alarmlampe anspringt. Aber ich habe gelernt, dann etwas zu bremsen und zu checken, ob ich hier wieder einer Person mit ähnlichem Verhaltensmuster begegne, wie damals, als die Alarmlampe hergestellt und installiert wurde :-P

Was meine Menschenkenntnis angeht, so kann ich mich zu 99,9% auf sie verlassen und da bin ich wirklich froh, dass meine Vergangenheit mir da ausgesprochen feine Antennen verschafft hat, auch wenn die ein oder andere echt weh tat. Aber mir hat auch niemand versprochen, dass das Leben ausschließlich warmes Wasser zum Duschen bereithält, also…durch! :twisted:

Achso…und um die Frage zu beantworten, ob ich mit diesem Artikel nicht wieder Zeit verschwendet habe und wie lange die Ausführung dauerte, sage ich: Nö und genau 1 Stunde :mrgreen:
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