gay
“Ich will Dich kennenlernen…”
Aha, wieder mal einer! Mehr und mehr frage ich mich, ob ich das zukünftig noch ernst nehmen kann, wenn mich ein Mensch, meist ein Mann, anschreibt, weil ihn irgendwas von mir fasziniert oder er einfach so beziehungssüchtig ist, dass er in mir den nächsten Ex-Freund sehen will.
Ja, es ist nicht leicht und das Folgende mag sich für manch einen böse lesen, aber es ist die Quintessenz und die Konsequenz aus einem Leben, das bezüglich eines Kennenlernens von Enttäuschungen nur so strotzt.
Angefangen mit Männern, die solange Dinge gern unternehmen, die ich auch gerne mache, bis sie sich mir in gewisser Weise sicher sind. Dann plötzlich geht man ja eigentlich gar nicht so gerne ins Kino und Kochen ist auch keine wirkliche Leidenschaft und Sport ist doch eher was für Menschen, die nicht ausgelastet sind!
Ach…
Versprechungen, Erzählungen, Antworten auf meine Fragen alles nur Lügen??? Vielleicht aus meiner Sicht. Aus der Sicht des anderen sind es nichts anderes als Marketingsprüche, um sich meine Gunst zu sichern, mein Interesse an diesem Menschen aufrecht zu halten, weil dies ja nicht geschähe, hätten wir keine Gemeinsamkeiten…so denkt er.
Dann jene, die mich gerne kennenlernen möchten. Sie wissen nichts von mir, meine äussere Optikhülle scheint sie anzusprechen. Ich scheine irgendwas Geheimnisvolles, etwas Spannendes an mir oder besser in mir zu haben. Allerdings merke ich schnell, dass den meisten “Interessenten” die Geduld fehlt, sich in zeitaufwändigen Real-Treffen mit mir auseinander setzen zu müssen. Die Frage nach dem allwissenden, weil gut ausgefüllten Gayromeo-Profil, ist der beste Hinweis darauf. Dort, so die Hoffnung, erfährt der achso interessierte Mann dann all das, was ihn wirklich reizte, mich anzusprechen, zumindest sofern das Sexmodul ausgefüllt und aktiviert ist
. Jaja…klar, diese Details fragt man ja nicht gleich beim ersten oder zweiten Treffen, zumindest nicht offiziell
. (Das Sexmodul ist Bestandteil eines Gayromeo-Profils, sofern man seine Präferenzen in diesem Bereich der GR-Community mitteilen will. Erhöht angeblich die Chance auf ein Sexdate!
)
Und dann das virtuelle Kennenlernenwollen! Dass die Typen nicht raffen, dass es ein tieferes Kennenlernen nicht ohne persönliche Kontakte und Unternehmungen geben kann, will man ernsthaft den anderen verstehen wollen. Klar kann ich wochenlange Chats in witziger und ernster Weise führen, aber was erfahre ich schon? Es sind Details, die ich jedem virtuellen Dasein zuordnen könnte, ein Gesicht aber, eine Mimik oder die Gesten dazu, gab es zu diesen Geschichten, Erlebnissen und Charaktereigenschaften leider nicht. Ein für alle mal: Sowas ist für mich absolut wertlos! Dass das so wenige Menschen verstehen… Ich scheine aus einer anderen Zeit, aus einem anderen Leben zu kommen.
Und was mag jene dazu bringen, mich anzuschreiben, einen Kontakt zu mir zu suchen, wenn sie mit meiner Antwort schon nicht zufrieden sind??? Heute muss man ja aufpassen, was man schreibt, denn jedes Wort, jeder falsche Buchstabe lässt vielen Leuten heute schon den Furz quer sitzen. Alles wird schon gleich zu Beginn so derbe auf die Goldwaage gelegt, in allen Einzelheiten analysiert und meist für negativ befunden. Zu witzig? Übel! Der nimmt mich nicht ernst! Zu ernst? Mist, der will nicht…
Manchmal habe ich den Eindruck, sie möchten jemanden kennenlernen, aber nicht gerade mich. Es geht ihnen um Irgendjemanden, mit der Hoffnung, bei diesem könnten sie endlich mal Glück haben, er könnte vielleicht der “Nette” sein, den man sich wünscht. Und ist das dann so…soll er überhaupt nett sein? Es kann doch nicht sein, dass so ein Typ solo ist. Dann kommen die Zweifel…irgendwas kann da nicht stimmen. Es gibt da so eine sehr typische und treffende Folge von Sex and the City, in der genau DAS Thema behandelt wird. Letztendlich verliert Carrie ihren neuen Freund, der doch gar nicht so nett sein kann, wie sie ihn kennenlernt. Ihr Misstrauen, das Durchwühlen seines Schrankes, bei dem er sie erwischt, fürht zum Ende der eben egonnenen Beziehung.
Hey, wenn mich jemand kennenlernen will, mache ich das nur noch über Treffen in der realen Welt. Der ganze Rest ist Zeit- und Energieverschwendung. Was bringen mir Chat, WhatsApp und andere moderne Kommunikationswege, wenn die nur dazu genutzt werden, Dinge anzusprechen, die im Face-2-Face-Meeting niemals angesprochen werden??? Wie arm ist diese Welt inzwischen, dass Männer keinen Schneid mehr haben und sich der Bequemlichkeit des Netzes bedienen und mich irgendwann den “Beenden-Knopf” drücken lassen???
Der Schlussakkord, in den letzten drei Wochen musste ich das wieder einmal erleben, setzt bei mir immer dann ein, wenn ich das Gefühl habe, ich erzähle, mache meine Einstellungen klar und die andere Seite scheisst drauf (sorry) hat überhaupt nicht zugehört bzw. kommt mit Respektlosigkeiten, die meinen Level des Erträglichen bei weitem überschreiten. Erst recht, wenn nach einiger Zeit jeder Kontakt nur noch darauf hinausläuft, dass man beim nächsten Treffen im Bett landen MUSS. Andere Alternativen scheinen bei schwulen Männern kaum noch möglich zu sein, das lässt mich derbe würgen!
Sofern der andere überhaupt noch Treffen will. Manchmal scheint es mir, die bloße Kommunikation über das Smartphone und das Internet reicht den meisten schon…
Es wird schwerer, für neue Leute offen zu sein, aber ich wehre mich dagegen, einen Schild um mich herum aufzubauen. Leicht ist das nicht und es erfordert Geduld von der anderen Seite. Naja, was soll`s, das Leben geht weiter und ich lebe mit…so gut es geht!

Offizielle Bilanz der CSD Saison 2011 in NRW
Das Schwule Netzwerk NRW veröffentlichte heute eine Bilanz der CSD Saison 2011 in NRW. Sie macht eines deutlich: Es wird in Zukunft immer schwieriger werden, die Christopher Street Days in dieser Form weiterleben zu lassen!
Gründe dafür sind nach Meinung der Parade-Organisatoren, die rückläufige Zahl ehrenamtlicher Helfer und die Sparsamkeit der Besucher der Prides. Denn immer mehr Leute bringen sich ihre Getränke selbst mit und sorgen so für einen schwächeren Umsatz an den Getränkeständen, der allerdings zur Finanzierung der CSDs mit herangezogen wird. Also sitzt auch bei den Gays das Geld nicht mehr so locker, wie noch vor ein paar Jahren. Zudem machte der wettertechnisch schlechte Sommer 2011 dem ein oder anderen Pride zu schaffen. Beim Ruhr CSD in Essen beispielsweise, gab es mehrere sintflutartige Regenschauer, die den Veranstaltungsplatz in wenigen Sekunden leer fegten.
Dass immer weniger Leute Lust auf ein ehrenamtliches Engagement bei den CSDs haben, ist mir klar, denn wer ehrenamtlich eingesetzt wird, kann nicht feiern bzw. demonstrieren und Party machen und das ist immer noch der Grund für die meisten Besucher, zu den CSDs zu fahren. Während die Freunde mitten drin sind, müssen die Ehrenamtlichen ihren Job machen. Verdienstfrei! Auch sehen die wenigsten in den CSDs heute noch eine Demonstration. Dort, wo sie problemfrei starten können, ist alles mehr Party, als der Hinweis auf Ungleichbehandlung und fehlende Rechte von Homosexuellen in der Gesellschaft.
Es wäre sehr schade, wenn die Prides das Niveau der vergangenen Jahre nicht mehr halten könnten. Und ich meine insbesondere die kleineren Veranstaltungen. Schließlich, und das sollten wir nie vergessen, sind die Christopher Street Days die schwul-lesbischen Massen-Veranstaltungen, die von den Politikern wahrgenommen werden und die auch mit für die Durchsetzung von mehr Rechten für Homosexuelle in der Gesellschaft gesorgt haben.
Den kompletten Pressetext des Schwulen Netzwerkes NRW zum Nachlesen gibt es HIER.

Zum Coming Out Day 2011
Es wäre anmaßend, am heutigen “Coming-Out-Day” (KLICK) zum homosexuellen Outing aufzurufen. Schließlich scheint für jeden, der von sich weiss, dass er/sie ein Leben lebt, das dem eigenen natürlichen Empfinden widerspricht, das Coming Out eine hohe Hürde zu sein. Stattdessen finde ich es wichtiger, jenen Mut zu machen, zu sich selbst stehen zu können, das Leben so zu akzeptieren, wie es die Natur für sie eingerichtet hat.
Es sind Ängste, die Menschen dazu veranlasst, nicht zu ihrer tatsächlichen Lebensweise stehen zu können/wollen. Da ist die Angst vor dem Verlust von Freunden und Angehörigen, weil sie nicht mit einer schwulen/lesbischen Bezugsperson klar kommen (könnten).
Welche Auswirkungen hat wohl mein Coming Out auf den Job? Akzeptiert der Chef einen homosexuellen Mitarbeiter? Wie reagieren die Kollegen? Halte ich es aus, wenn dort der (mögliche) GAU ausbricht?
Es gibt sogar die Angst davor, von anderen Menschen so gesehen zu werden, wie man Schwule und Lesben selbst sieht. Dabei werden die simpelsten Vorurteile bedient und die Menschen oft auf das Sexuelle reduziert. Große Teile der Gesellschaft sehen manche Sex-Praktiken als verwerflich oder gar schändlich an, die üblichen Witzchen über Schwule sollten hinlänglich bekannt sein. “So einer” will man dann ja auch nicht sein, “so einer”, über den man Witzchen macht, über den man lacht, den man sich beim Sex mit einem anderen Mann vorstellt.
Schon pervers, auf welche Gedanken manche kommen, oder?
Das Problem vor einem Coming Out sind also die eigenen Ängste und die von uns erwarteten “Probleme”, die uns von anderen angetragen werden. Natürlich fällt es jemandem leichter, sich zu outen, wenn man die Ängste auf ein Mindestmaß begrenzen kann und einem das Denken anderer egal ist. Wie kommt man da hin?
Die Menschen sollten erkennen, dass es ihr Leben ist, um das es geht. Klar, wir sind gesellschaftlich eingebunden, aber was von uns ist denn in einer Gesellschaft eingebunden, die uns aufgrund einer, vom Mainstream abweichenden Lebensart, ausschließen würde? Andererseits…hat man eine gewisse Position, einen bestimmten gesellschaftlichen Stand erreicht, kommt das Umfeld gar nicht umhin, ein Coming Out zu akzeptieren, weil man als Glied in dieser Kette für andere, aus welchen Gründen auch immer, unentbehrlich zu sein scheint.
Meine Erfahrung hat zweierlei gezeigt:
1. Je offener und natürlicher mit dem Thema umgegangen wird, desto einfacher fällt es einem nicht nur selbst, sondern auch dem Umfeld, mit den Veränderungen klar zu kommen
2. Je weniger Klischees bedient werden, und warum sollte das Gefühl aufkommen, diese bedienen zu müssen, nur weil man sich als “schwul”/”lesbisch” erkannt hat, desto mehr “Normalität” zeigt man damit, und umso einfacher ist es für das Umfeld. Natürlich wird es da einige Menschen geben, die nun gar nicht nachvollziehen wollen, warum jemand schwul sein kann, der aber absolut nicht den üblichen Vorurteilen und Klischees entsprechen mag…deren Problem, oder?
Gespräche mit Menschen, an denen uns etwas liegt, können hier sehr hilfreich sein.
Wer sich outen möchte, sollte sich darüber bewusst sein, dass er/sie auch anderen Zeit lassen muss, sich einer veränderten Situation anpassen zu können. So wie für jeden, gibt es auch für unser Umfeld keinen Schalter, der nach einem Umlegen das ganze Leben fröhlich und unkompliziert erscheinen lässt.
Ein Outing, und das sollte wirklich jedem klar sein, der davor steht, kann Veränderungen und Umbrüche bringen, aber eben auch Neuerungen und diese müssen nicht immer nur negativer Art sein. Ängste, wie oben beschrieben, lassen wenig Spielraum für Vorstellungen jenseits negativer Zukunftsaussichten. Letztlich liegt es an jedem Einzelnen, wie er/sie mit einem Outing umgeht, es gestaltet und danach mit den Folgen umzugehen weiss. Es gibt nur eine Chance und hinterher ist man immer schlauer, aber auch hier darf man Verständnis für die individuelle Entscheidung einfordern. Schließlich ist ein Outing keine emotionale Einbahnstraße und jene, die davon erfahren, sollten sich nicht nur mit ihren “Problemen” (sofern vorhanden!) befassen…
Ich habe viele homosexuelle Menschen kennen gelernt und ein großer Teil hatte irgendwie eine Macke in Richtung Selbstbewusstsein. Aus meinem Gefühl heraus schiebe ich das auf die Coming Out-Zeit, die manchem doch mehr zugesetzt haben mag, als das im Allgemeinen zugegeben wird. Die Probleme, die Auseinandersetzungen mit anderen, vor allem aber mit sich selbst, hinterlassen Spuren, je länger diese Auseinandersetzung dauerte.
Selbstzweifel und Unsicherheiten begegneten auch mir in der CO-Phase, aber ich hatte keine jahrelange Vorlaufzeit, weil mir mein Schwulsein erst sehr spät wirklich ernsthaft bewusst wurde. Und von diesem Zeitpunkt der Erkenntnis aus bis zum tatsächlichen Outing im Familien- und Freundeskreis, verging nicht viel Zeit. Meine sehr offene, von manchen gar als “aggressiv” empfundene Art, das Thema ganz natürlich und ohne Vorbehalte anzugehen, schreckte viele ab. Ich verlor die meisten meiner Bekannten und “Freunde”, die ja damit offensichtlich keine waren. In der Familie kam es zu Konflikten aufgrund der Inakzeptanz. Meine Stärke aber holte ich mir aus diesem immensen Befreiungsschlag, der mir ein schöneres, ehrlicheres, aufregenderes und glücklicheres Leben bescherte als das, was ich bis dahin geführt hatte. Allein das war es alles wert, mich zu outen, zu mir zu stehen, sagen zu können, das bin ICH! I am what I am…
Enjoy your life…Du hast nur eins und es ist DEINS, nicht das Deiner Freunde, Eltern oder Geschwister und schon gar nicht das der Gesellschaft! Je früher man handelt, desto weniger bereut man das späte Handeln!

Filmkritik: STRAPPED (DVD)
Gay-Movies, also schwule Filme, sind nicht immer meine Welt. Okay, den ein oder anderen habe ich im Regal stehen, aber ich kaufe mir selten einen neu erschienenen. Erstens sind die, aus meiner Sicht, zu teuer und zweitens versprechen die Produzenten in den Cover-Texten meist mehr, als an Inhalt und Handlung dann tatsächlich zu sehen ist. Und drittens nervt mich, dass das ganze schwule Leben immer wieder durch den Witz-Kakao gezogen wird und natürlich Sex nie fehlen darf, dazu noch wenig erotisch in Szene gesetzter! Ein Gay-Movie ohne Sex scheint von vornherein beim Zuschauer ein Flopp zu sein.
Bei Amazon wurde ich auf STRAPPED aufmerksam und las die Kritiken im Internet. Überzeugend, also her mit der DVD.
Netter, junger Mann, der vorn auf dem Cover zu sehen ist
Die Bilder auf der Rückseite zeigen viel nacktes Fleisch, aber ich kann jene Leser gleich wieder auf den Boden zurück holen, die sich nun lange Dödel und viel „detailliertes Rummachen“ von dem Film versprechen. STRAPPED ist kein Porno! Wobei…“körperliches Miteinander“
ist schon in ausreichender Menge zu sehen (Der Film ist FSK 16!) und wer Fantasie hat, dem werden diese Szenen auch ohne eindeutige Bilder gefallen. Vielleicht auch gerade deshalb
Ein junger Stricher, der den Sex mit Männern genießt, begleitet einen Kunden nach Hause. Nach der Nummer findet er zunächst nicht aus dem Haus heraus, trifft immer wieder auf neue Bewohner, die verschiedenste Gründe haben, ihn in ihr Appartement einzuladen. In STRAPPED ist der Sex ein Hilfsmittel, der Höhepunkt (in zweifacher Weise), der zum Ende jeden Besuchs obligatorisch zu sein scheint, zugleich aber auch immer wieder vom verführerischen Escort-Boy provoziert wird. Wird er aus dem Haus herausfinden???
Eine schöne Geschichte hat Joseph Graham da inszenieren können und erstaunlicherweise ist es ein Streifen, bei dem man den Darstellern bei ihren Unterhaltungen lauschen möchte, weil sie etwas (Sinnvolles) zu sagen haben, was aber auch den Zuschauer ansprechen und zum Nachdenken bringen kann.
Ich war immer wieder überrascht, mit welcher Intensität die Figuren ihre Rollen spielten und wie glaubwürdig die einzelnen Szenen rüber kamen, auch wenn es eine verfilmte Parabel ist.
STRAPPED ist nicht einer von den Gay-Movies, die ich anfangs beschrieb, er ist unterhaltsam, abwechslungsreich, fast schon anspruchsvoll, auf eine gewisse Art und Weise auch spannend, nämlich wenn der Zuschauer sich fragt, wem der junge, sympathische Unbekannte mit den vielen Namen als nächstem begegnen und was er dann erleben wird.
FAZIT:
Endlich mal 95 Minuten Unterhaltung, die ich mir nicht „nebenher“ angeschaut habe (ansonsten arbeite ich fast immer dabei), weil der Film mich fesselte. Schön! Das muss ich in meinen Blog schreiben und STRAPPED empfehlen…
ZUSATZ:
Fast hätten einige Script-Continuity-Fehler und die doch recht schlichte Ausstattung des Films einen Stern mehr in der hiesigen Bewertung gekostet, aber halt…sind wir wirklich schon so verwöhnt, von den dreistelligen Millionen-Produktionssummen Hollywoods, dass wir nicht mehr erkennen können oder wollen, dass auch Einfachheit manchmal den Charme eines Films ausmachen kann?
Zudem, es passt zu STRAPPED und fiel mir erst hinterher, beim Schreiben der Rezension, deutlicher auf.
Also, mit gutem Gewissen kann ich schreiben:
Kaufen, Mitnehmen, genießen…

Filmkritik: Soenner – Dunkle Geheimnisse
Es gibt Filme, die kaufe ich mir einfach mal. Natürlich erst, wenn ich mir die Rückseite des Covers durchgelesen habe. Schaue ich sie mir nicht sofort an, kann das dauern. So geschehen auch mit SOENNER-DUNKLE GEHEIMNISSE.
Letztens wuselte ich mich durch meine DVD-Sammlung, um weniger liebsame Filme zu verkaufen. Dazu zählen Fehlkäufe oder Filme, an denen ich das Interesse verloren habe. Meine Film-Sammlung umfasst eigentlich ausschließlich Streifen, die ich besonders sehenswert finde und jedem empfehlen kann. Dabei entdeckte ich SOENNER, las die Rückseite und fragte mich, warum ich mir den Film bis dato noch nicht angeschaut hatte. Bevor ich ihn verkaufen wollte, musste ich ihn gesehen haben. Heute Abend hatte ich Zeit und…ich werde ihn auf jeden Fall behalten!
SOENNER ist eine norwegische Produktion des Regisseurs Erik Richter Strand, der damit auf diversen Film-Festivals Preise gewinnen konnte. Und das zurecht, finde ich, denn Strand weckt mit seinem Werk beim Zuschauer immense Emotionen und Reaktionen.
Der Film dreht sich um Pädophilie und ich kann Euch sagen, dass Filme in diesem Bereich, bei aller Ernsthaftigkeit des Themas, erst richtig gut sind, wenn sie beide Blickwinkel der Betroffenen darstellen. Dabei kommt es zu einem, wenn auch kurzfristigen Konflikt im Zuschauer: Auf der einen Seite die Verletzlichkeit des Opfers, auf der anderen Seite das Wissen um die inneren Zwänge des Täters. Ich ertappte mich nur kurz bei dem Gedanken, vielleicht etwas Mitleid mit dem Verführer haben zu dürfen. Aber seine „Strategie“, das junge Opfer mit den irrsten Methoden an sich binden zu wollen, ließ schnell eine immens Antipathie in mir aufkommen.
Würde ich die Handlung hier detaillierter beschreiben, wäre ein Teil der Dramatik, des ansteigenden roten Fadens, verloren, der diesen Film so ergreifend, mitfühlend und miterlebend macht. In eindrucksvollen Bildern, hin und her gerissen zwischen Aggression und Mitleid, werden die inneren Konflikte der Opfer beschrieben:
Mit dem Erlebten an die Öffentlichkeit gehen oder es doch lieber verheimlichen, die Verdrängung, die späte Verarbeitung, die Wut, die Suche nach dem Ausweg…
Ihr merkt schon, der Film ist vielseitig und behandelt das schwierige Thema wirklich nicht oberflächlich. Diese Geschichte ist, so wird mir gerade bewusst, während ich hier im Nachhinein diese Kritik schreibe, so ausgefeilt, so gut geschrieben und so genial umgesetzt, dass man sich hinterher noch extrem mit dem Gesehenen auseinander setzen muss.
Kann dieser Film ein Happy End haben? Oder war es zum Schluß eine Flucht? Auf jeden Fall aber konsequent und ein Ende, das tatsächlich eines ist. Zumindest eines!
Fazit:
Dieser Film hinterlässt markante Eindrücke, er ist kräftig, er ist unglaublich bewegend und er dürfte nach dem DVD-Abend zu manch einer Diskussion führen. Schaut ihn Euch an, es lohnt sich!
Klar, dass dieser „Sparten-Film“ aus dem Hause Salzgeber auf den deutschen Markt gebracht wird. Er ist auf DVD in der norwegischen Original-Version erhältlich. Wer jetzt denkt, das würde das Filmvergnügen beeinträchtigen, den kann ich beruhigen. Die deutschen Untertitel sind leicht mitzulesen, einfach geschrieben und lassen den diversen, genialen Darstellern die originalen Emotionen ohne zerstörerische Synchronisation. Nie war ich glücklicher über eine Original-Produktion. Auch das macht diesen Film aus!
EMPFEHLUNG! Unbedingt Anschauen!

Das Ende von Gayromeo?
Schön, dass ein Szene-Online-Medium wie die QUEER es auch mal erwähnt, dass Gayromeo, rein technisch gesehen natürlich, inzwischen etwas für Hinterwäldler ist
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Aber eigentlich geht es dem Autor, Christian Scheuß, um die Frage, ob Gayromeo am Ende ist, weil es nicht mehr auf dem aktuellsten Stand der Web 2.0-Nutzungsmöglichkeiten ist. Da stimme ich ihm voll zu!
Aus meiner Sicht hat das Forum Gayromeo aber auch eine weitere Schwäche, nur die liegt eher an den Nutzern und nicht an den Machern der Blauen Seiten: Unterhaltungen finden kaum noch statt, ausser in kurzen, kleinen, abgehackten Sätzen, wie “Ey…f…n???” oder sonstigen Primaten-Kommunikationsversuchen
. Früher konnte man Männer dort noch für Sport, Kino oder Club-/Szene-Besuche treffen. Ich habe seit kanpp 2 Jahren gerade mal zwei Männer getroffen, den einen kannte ich auch noch von früher. Wenn das alles ist, was die Leute da wollen, meinetwegen. Fast hätte ich heute mein Profil wieder gelöscht, aber ich habe es nur deaktiviert! Mich nervt Gayromeo auch und meinetwegen kann es dicht machen. Vielleicht werden dann die Läden mal wieder voller und es macht wieder mehr Spaß, raus zu gehen…
.



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