AIDS
Filmkritik: HOUSE OF BOYS
Warum nutzen wir Gays eigentlich so selten die Kultur-Angebote, die sich ganz speziell an uns richten??? Das fragte ich Torben, als das Licht gedimmt wurde und klar war, dass der Kinosaal des METROPOLIS in Bochum, mit etwa 20 Besuchern, nur zu einem Bruchteil besetzt war. Dabei lief ein Film, der gerade die schwule Zielgruppe ansprechen sollte und zudem eine PREVIEW war, HOUSE OF BOYS :
Der Film lief im Rahmen der “HOMOCHROM”-Aufführungen (WEBSITE). Martin, der Initiator von HOMOCHROM, bringt einmal monatlich einen Film mit Homo-Bezug in diverse Ruhrgebiets-Kinos, unter anderem in Bochum, und das seit genau einem Jahr. Danke dafür, denn es ist eine klasse Idee! Hinweise dazu findet Ihr auch, wenn Ihr oben auf RUHR.2010 und dann auf TERMINE RUHRGEBIET klickt.
Aber jetzt zum Film:
1984. Der offen schwul lebende, junge Frank hat die Nase voll vom spießigen Zuhause und flieht mit einer Freundin auf eine Tour durch Europa. Doch gleich in der ersten Stadt der Tour, Amsterdam, bleibt Frank hängen. Fasziniert vom schwulen Party- und Sexleben, wird er von der Freundin bald schon genervt zurückgelassen. Allein auf sich gestellt kommt er auf der Suche nach einer Bleibe ins HOUSE OF BOYS von “Madame”, einem Gay-Dance- und Strip-Lokal, das für den Besucher manchmal auch noch mehr zu bieten hat. Frank verliebt sich in seinen heterosexuellen Zimmer-Genossen Jake, der diese Liebe zunächst nicht erwidert. Als Jake’s Freundin eine einsame Entscheidung trifft, findet er in Frank einen liebevollen, tröstenden Menschen. Schließlich verliebt er sich in Frank. Eine intensive Zeit der Emotionen beginnt, bis plötzlich eine neue, tödliche Bedrohung die Liebe der beiden Männer auf die Probe stellt…
HOUSE OF BOYS ist für mich der intensivste Film zum Thema HIV/AIDS, den ich seit PHILADELPHIA und KAFFEE, MILCH UND ZUCKER gesehen habe. Wer die Anfangszeit der Krankheit AIDS in den 80ern nicht erlebt hat, für den sind die gezeigten Bilder sicher unfassbar, weil sie so in der Öffentlichkeit kaum noch gesehen werden. Aber sie belegen den reinen Horror dieser immer noch unheilbaren Seuche. In den 80ern gab es noch keine hilfreichen Medikamente, die den Ausbruch der Krankheit AIDS wirklich verzögern oder gar verhindern konnten. Die erkrankten Menschen wurden durch dunkelrote Male am ganzen Körper gezeichnet, magerten meist bis auf die Knochen ab, bekamen durch das zusammen gebrochene Immunsystem Krankheiten, die, auch wenn sie für einen gesunden Menschen kein Problem darstellen, lebensgefährlich waren, wurden schwächer und schwächer, bis sie nur noch vor sich hin vegetierten und schließlich den Kampf gegen das HI-Virus aufgeben mussten.
Der Film zeigt ohne große Tiefe, den Einstieg Franks in die Amsterdamer Gay-Szene mit einer Leichtigkeit, die uns Schwulen sehr bekannt vorkommt. Fast wirken einige Szenen wie Sprünge, die unsere Aufmerksamkeit, manchmal auch Fantasie fordern, um die Handlung nachvollziehen zu können. Aber es macht den Film deshalb nicht kompliziert, weil die Abläufe simpel gestrickt zu sein scheinen. Das ändert sich plötzlich, als AIDS zum bestimmenden Teil der Handlung wird. Die bis dato gezeigte Unbeschwertheit ist verflogen, dumpfe, dunkle Traurigkeit legt sich über die Leinwand, Bilder der Zweisamkeit häufen sich und der Zuschauer verspürt ein Gefühl der Hilflosigkeit, wenn Jake mehr und mehr von der Krankheit gezeichnet wird.
Jean-Claude Schlim hat ein erstklassiges Filmwerk geschaffen, das den Sprung zwischen Leichtigkeit des Lebens hin zur plötzlichen brutalen Ernsthaftigkeit emotional gelungen umsetzt. Der Wechsel kommt schockierend schnell und plötzlich, beschreibt damit aber umso deutlicher die Realität und warnt vor den Gefahren leichtsinnigen Sexverhaltens, ohne den mahnenden Zeigefinger zu erheben. Selten habe ich einen Streifen gesehen, der mich filmtechnisch derart begeistern konnte.
Und wer heute, insbesondere von den jüngeren Menschen meint, HIV/AIDS sei aufgrund der Medikamente keine wirkliche Bedrohung mehr, sollte sich diese Bilder unbedingt anschauen und sich im Anschluss, wenn der Mut nicht fehlt, weitere Informationen aus dem Netz holen. Torben teilte mir nach dem Film mit, er sei schockiert und ihm seien diese Bilder gar nicht mehr im Bewusstsein gewesen, was aber auch daran liege, dass er die 80er Jahre in diesem Bereich, aufgrund seines Alters, so gar nicht wahrgenommen habe. Vielleicht sollten solche Bilder in Zeiten zunehmenden Narzismusses vieler Menschen wieder häufiger in Verbindung mit HIV/AIDS publiziert werden!
Ein letzter Satz, gerichtet an das METROPOLIS-Kino:
Wer bei einem solchen Film direkt nach dem Schluss der Handlung das Licht anwirft und den Zuschauern den Nachspann vorenthält, hat nicht verstanden, was KINO ist
!!!
Meine persönliche Wertung:
Absolut sehenswert, auch wenn ich die schauspielerische Leistung nicht als grandios empfand! Aber vielleicht trägt auch das zum positiven Eindruck des Films bei.
5 von 5 Punkten
5 Punkte: Die DVD kauf ich mir, wenn der Film raus kommt
4 Punkte: DVD schau ich mir nochmal an, bei Gelegenheit
3 Punkte: Eher was für den Kinotag, evtl. nochmal was fürs Free-TV
2 Punkte: geht nicht mal am Kinotag als gut durch
1 Punkt : Boah, was ne Zeit- und Geldschverschwendung!

Was ist, wenn ich (HIV-)positiv bin?
Es war wieder einmal soweit: Letzte Woche war Blutabnahme, ich war im Gesundheitsamt zum kostenlosen HIV-Test und Syphilis/Lues-Test
(war ja über Foursquare und meine Twitter-Timeline zu verfolgen!) und heute gab es das Ergebnis! Zum ersten Mal musste ich warten, weil 4 (!) Leute vor mir dran waren. Diese Wartezeit ist heftig. Erst kommen einem während der Woche permanent die Gedanken, dann auch noch 20 Minuten vor der Tür warten. Dabei denkst du echt an nichts Anderes, als an:
“Was ist eigentlich, wenn ich jetzt POSITIV bin???”
Da kannst Du Dir noch so sicher sein, immer alles richtig gemacht zu haben, aber vielleicht kommt dann auch die Erinnerung an eine Situation in der es ja hätte sein können, dass…
Ein wirklich beklemmendes Gefühl, eine Unruhe im Magen, leicht feuchte Hände, ab und zu mal eine Hitzewallung und bis zum Aufruf ins Sprechzimmer gibt es erstmal keine Zukunft mehr! Temporäre Wand im Kopf! Zumindest geht es mir jedes Mal so und das ist auch der Grund, warum ich weiterhin gerne Safer Sex praktiziere. Ich möchte einfach nicht in die Situation geraten, herausfinden zu müssen, wie mein Leben mit HIV weiter gehen würde! Außerdem sehe ich nicht nur für mich selbst, sondern auch gegenüber jedem meiner Kontakte meine Verpflichtung bzw. Verantwortung, in regelmäßigen Abständen einen Test zu machen. Ich möchte niemanden unbewusst anstecken!
Wer sich wegen dieser Gedanken in der Wartezeit einem Test verweigert ist für mich feige.
Wer bei häufigen Sexkontakten meint, er bräuchte keinen Test machen, lebt in meinen Augen fahrlässig!
Was für mich aber auch wichtig ist, ist der kostenlose Syphilis (Lues)-Test. Wir fürchten uns immer vor HIV/AIDS, versuchen uns zu schützen, vergessen aber dabei völlig, wie einfach es ist, sich mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (STD/STI) anstecken zu können. Und die sind nicht minder “ohne”! Syphilis-Neuerkrankungen haben inzwischen die der HIV in Zahlen überholt, weil sie absolut easy zu holen sind. Oft sieht man auch dabei nichts. Also nutze ich dankbar auch dieses Angebot eines anonymen, kostenlosen Tests im Gesundheitsamt.
Übrigens…das Ergebnis: In beiden Fällen wieder negativ und Ihr habt sicher den Plumps des Steins gehört, der mir von der Seele gefallen ist
“Was ein Glück” dachte ich, aber genau DAS ist es eben nicht! Kein Glück, sondern das Ergebnis konsequenter Einhaltung der Safer Sex-Regeln!
Ich habe in meinem Leben zu viele Gays kennen gelernt (auch in einer Beziehung!), denen man besser sein Leben nicht anvertraut und diese Empfehlung gebe ich deshalb hier öffentlich gerne weiter:
SCHÜTZT EUCH!
I M M E R!
Auch wenn Ihr glaubt, vertrauen zu können! Männer können loyal dem Partner gegenüber sein, sie sind in der Regel aber nicht sexuell “treu” und in der Männergeilheit passiert es nur allzu schnell, dass man(n) hinterher etwas bereut!
Und auch in Sachen Wahrheit habe ich lernen müssen, dass Männer gerne den Partner, aber auch sich selbst belügen! Ich finde das kann lebensgefährlich sein und wer dem Partner eine Infektion verschweigt, hat das “System der Partnerschaft” schlicht missverstanden!!!
Und zum Schluss noch der Hinweis:
Am 01.Dezember ist Welt-AIDS-Tag
Informieren und virtuell mitmachen kann man (Frau auch) übrigens H I E R
Bleibt gesund und habt (trotzdem) Spaß, denn ohne Spaß ist das Leben wirklich langweilig und eindimensional
Und…nur wer sich regelmäßig testen lässt, verhindert Schlimmeres, denn die meisten Krankheiten (STDs) sind, zum Glück, heute heilbar! Nur HIV/AIDS ist noch immer NICHT heilbar und kann bei Nicht-Behandlung tödlich enden!
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HIV-Präventionsvideo
Heute war ich nach langer Zeit mal wieder über Twitter beim “Vorstadtclown” und fand dort ganz aktuell ein Video, in dem verschiedene YouTubs-”Stars” (u.a. Marcel) etwas zu HIV sagen. Es wendet sich gezielt mit Warnungen vor ungeschätztem Sex an jugendliche und jüngere Menschen und ich finde, es ist super gemacht!
Daher findet Ihr es hier auch, um es weiter zu verbreiten

HIV – Wie sag' ich's???
Stell’ Dir vor, Du bist HIV-positiv, lernst einen Mann/eine Frau kennen und es kommt zum Sex!
Sag’ ich es ihr/ihm vorher? Oder geniesse ich den Sex, natürlich safe, und teile ihr/ihm hinterher mit, dass ich positiv bin???
Das ist ein Konflikt, von dem z.B. auch Marcel (Vorstadtclown, Blog ist rechts in der Blogroll verlinkt!) schon mehrfach berichtet hat. Das kann tatsächlich ein Problem sein…
Wie man (Frau natürlich auch) da einen witzigen und charmanten Weg finden kann, zeigt ein Videoclip aus Frankreich
Wer es nachmachen will, viel Spaß
Ich fand’s jedenfalls klasse…
Warst D U schon einmal in dieser Situation, dass Du als “Negativer” mit einem “Positiven” rumgemacht hast und es dann hinterher erfahren hast? Wie war es…die Art…Deine Gedanken dazu…das würde mich interessieren!
Freue mich auf Kommentare dazu…
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