Ruhr.CSD (Essen)
Er gilt als einer der kleineren Christopher Street Days in Deutschland, allerdings nicht als unbedeutend. Wenn ich mir so ansehe, wieviele Besucher die Organisatoren zum CSD in die Metropole des Potts ziehen, dann fehlt eigentlich nur noch eine Parade und die Erhebung zum “CSD des Ruhrgebiets”! Der größte CSD im Ruhrgebiet ist er bereits, zumindest nach den Worten der Vertreter des Ruhr.CSD (www.ruhr-csd.de).
Dieses Jahr hätte es ja passieren können, gerade im Jahr der Kulturhauptstadt, für das Essen, repräsentativ für unsere Region Ruhrgebiet, 2010 steht. Aber der “Ruhr.CSD” bleibt auch 2010 was er in den letzten Jahren schon war: Ein kleinerer, regionaler Event, einen Tag lang, in den letzten Jahren beschränkt auf den Kennedy-Platz in der Essener Innenstadt, ohne Parade! Leider…
Warum das so ist, wieso es das Ruhrgebiet nicht schafft, hier einen einheitlichen “Megacity-Ruhr.CSD” zu organisieren, auch das wollte ich von Dietrich Dettmann, Mitglied im Verein essenandersrum (www.essen-andersrum.de), in meinem Interview wissen:
Little-Devil (L-D): Hallo Dietrich. Deinen Namen habe ich lange Zeit mit dem regionalen Gay-Magazin EXIT! in Verbindung gebracht
Nun sah ich, dass Du Mitglied im Vorstand des Vereins “Essen Andersrum e.V.” bist. Könntest Du den Verein kurz vorstellen und die Ziele des Vereins erläutern?
Dietrich Dettmann (DD): Ja, die EXIT hat ja ihr Büro nach Düsseldorf verlegt und ich mache hier in Essen ein neues Magazin mit dem Namen FRESH, das der ein oder andere bestimmt schon in den Läden gesehen hat. Natürlich betreue ich weiter die Orga und das Bühnenprogramm beim Ruhr.CSD Essen, der am 7.8. noch größer auf dem Kennedyplatz stattfindet.
L-D: Eure Website www.Essen-Andersrum.de ist leider, zumindest was diese (Vereins-)Rubrik angeht, noch im Aufbau. Wann geht Ihr endgültig online?
DD: Ja, stimmt. Wir machen das halt ehrenamtlich, da kommt das schon mal vor, aber jetzt sind wir on.
L-D: Der CSD. Ich weiss, dass nicht nur mich jedes Jahr aufs neue die Frage beschäftigt:
Wieso war bislang DER große, einige, echte RUHR-CSD, also der CSD für das gesamte Ruhrgebiet, bei dem die Vertreter der Gay-Szene aller großen Städte der Metropole Ruhr mitmachen, nicht realisierbar?
DD: Das ist eine schwierige Frage, ich denke da hilft der Spruch “Es wächst zusammen, was zusammen gehört”. Außerdem haben wir ja über 25 Infostände von Gruppen aus der ganzen Region, von Düsseldorf bis Iserlohn.
L-D: Glaubst Du, dass ein RUHR-CSD, wie ich ihn oben beschrieb, in den kommenden Jahren möglich sein wird? Ich denke da an das Vorbild “LOVEPARADE”, die abwechselnd in verschiedenen Städten der Metro Ruhr stattfindet.
DD: Ja das ist denkbar. Wir vom “Verein Essen Andersrum” haben inzwischen gute Konntakte zum Duisburger CSD und haben das auch schon angesprochen. Aber jeder müsste auf aufgebaute Strukturen verzichten, bzw. nur im Wechsel der Jahre gebrauchen können, das ist z.B. bei den lokalen Politalks zum Teil dann ein Verlust an politischer Arbeit vor Ort.
L-D: Warum gibt es eigentlich beim Ruhr.CSD nicht eine schöne, große, bunte Parade?
DD: Weil du sie nicht organisierst! (Anmerkung L-D: Sowas musste ja kommen!
) Im Ernst, es fehlt an Manpower oder Womanpower, und gerade an die Adresse der gerne meckernden lesbischen Mitglieder der Community sei gesagt, her mit Euch und Eurem Engagement!
L-D: Was glaubst Du, könnte der Grund dafür sein, dass der Ruhr.CSD in Essen der letzten Jahre, bei einer Region mit über 5 Millionen Einwohnern, bisher nur so relativ klein war und im Vergleich mit dem Kölner CSD doch eher schwach besucht ist?
DD: Das sind zwei paar Schuhe denke ich. Wir fahren alle nach Köln, und das soll auch bleiben. Aber in den anderen Städten möchte man vieleicht mal mit seinen Freunden, Familie oder Nachbarn vorbeischauen. Jedenfalls sind wir schon sehr gewachsen in den letzten sieben Jahren und der Kennedyplatz ist gut voll mit Infoständen bis zum anderen Ende.
L-D: Gibt es, im Vergleich zum letzten Jahr, etwas Neues, dass Du schon für den Ruhr.CSD ankündigen kannst?
DD: Ja, wir werden aus Platzgründen die Tanzbühne auf den Platz an der Marktkirche und ans GentleM verlegen und einen Übergang schaffen.
Außerdem gibt es eine offizielle CSD Party im Naked und ein begleitendes schwul-lesbisches Kinofestival.
L-D: Ich habe gesehen, dass “GAYS ON BOAT” (GOB) eines Eurer Projekte ist. Kannst Du das kurz vorstellen und mir sagen, was da an Bord abgeht? Öhm, das sollte jetzt nicht zweideutig sein, aber bei Gays und einem engen, geschlossenen Raum, denkt man als Schwuler oft schnell an “das Eine” *lol*!
DD: Es ist einfach lustig. Stimmt, es wird auch schon mal feucht fröhlich, aber eigentlich tanzen die meisten open Air an Deck nach Musik von unserem DJ und winken selbstbewust den Fußgängern, Anglern und Campern zu – im nahen aber sichern Abstand zum Baldeney-Ufer (Anmerkung L-D: Der Baldeney See befindet sich im Essener Süden). Das macht einfach Spass wenn die große Regenbogenflagge selbstbewust am Schiff hängt und wir eine Einheit bilden.
L-D: Richtet sich GOB ausschließlich an schwule Männer oder sind auch lesbische Frauen mit dabei?
DD: Nein, im Gegenteil, wer seine Freunde mitbringt, egal ob Hetreo oder Homo, ist klar im Vorteil. Es gibt übrigens auch was zu essen und die Aids Hilfe Essen macht immer einen Präventionstand mit Kaffee, Kuchen etc., das zugunsten der Einrichtung verkauft wird.
Mit einer aufstockenden Spende von Essen Andersrum konnte so die Aids-Hilfe Essen bei der letzten Bootsfahrt 500,- Euro für den guten Zweck mit nach Hause nehmen. Übrigens ist sowas auch ein Grund für mich, warum ich das ganze mit meiner ehrenamtlichen Arbeit unterstütze. Beides ist dabei- Spass und der gute Zweck – wie beim Ruhr CSD.
L-D: Seid Ihr mit dem Verein oder dem Ruhr-CSD schon bei Twitter, Facebook & Co, sodass man aktuelle News über diese Social Communities von Euch beziehen kann?
DD: Nein, leider noch nicht so richtig. Wir suchen noch jemand, der uns hilft. Hallo, wer da draußen?
L-D: Ich habe gelesen, dass in Essen im Rahmen des Kulturhauptstadt-Jahres 2010 beim Projekt “Stilleben auf der A 40” am 18.Juli, Tische für Vertreter der Gay-Lesbian-Community reserviert sind. Bist Du oder seid Ihr mit dem Verein da involviert und kannst Du dazu ein paar Infos geben? (Standort, Projekte…)
DD: Ja, wir machen da mit, mit einer großen Meile direkt zwischen der Ausfahrt Zentrum und Steele, auf der Höhe der Straße “Am Wackel”. Wer weiss, wer das ausgesucht hat…jedenfalls sind die Lesben mit im Boot und aus ganz NRW Gruppen beteiligt. Die ganze Meile bekommt eine Fahnenkette aus über 50 Meter Regenbogenfähnchen, damit man sie schon von weiten erkennt. Einige Aktionen wie ein “kiss In” und schräge musikalische Beiträge sind auch geplant. Übrigens steht dazu Einges in der FRESH, die man unter www.fresh-magazin.de auch online lesen oder downloaden kann.
L-D: Was versprechen sich die Teilnehmer von der Aktion, einfach Öffentlichkeitsarbeit, Werbung oder mehr Akzeptanz in der Gesellschaft?
DD: Ja sowas ungefähr. Es gibt da eine längere Geschichte zu, warum wir uns jetzt in dieser Form da engagieren. Jedenfalls wird es sicher etwas Ungewöhnliches und eine Menge Heteros werden an unserer Meile vorbeilaufen und uns sehen und registrieren. “100 Prozent Ruhrpott gibt es nur mit uns” wäre ein guter Slogan.
L-D: Ist die Gay-Community in Essen eigentlich an weiteren Veranstaltungen im Rahmen des Projektes 2010 beteiligt?
DD: Nicht dass ich wüsste. Aber Überraschungen gibts immer wieder.
L-D: Dietrich, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit zur Beantwortung meiner Fragen genommen hast ![]()
Viel Erfolg mit Eurem Verein und dem Ruhr.CSD.
HINWEIS: Leider ist es mir aus rechtlichen Gründen nicht möglich, die in diesem Artikel aufgeführten Adressen zu externen Websites direkt zu verlinken! Die auf den Sites befindlichen Informationen zum hier besprochenen Thema kann ich empfehlen. Da ich mich aber von einigen Verlinkungen distanziere, fehlen die Direktverlinkungen!




Twitter
Facebook
GooglePlus