Eine religiös geprägte Nachrichtenwoche

Wow, in dieser Woche ist soviel passiert und ich kam absolut nicht dazu, hier Kommentare über meine Gedanken zu posten. Ausgerechnet zwei Geschehnisse zum Thema Religion bestimmten die Schlagzeilen der Presse, wo doch Religion für mich ein rotes Tuch ist.

Die katholischen Perversen, die kleine Kinder betatscht und irre Spielchen mit ihnen getrieben haben (nach dem Duschen mit kaltem Wasser abgespritzt, Nacktfotos im Garten) inklusive ihrer Vorgesetzten, die mit ihrem Schweigen die widerlichen Handlungen (vorerst) vertuscht hatten, gehören bestraft und aus dem Amt verstossen!

Es kann und darf nicht sein, dass sie dem Gesetz nach nun straffrei ausgehen, weil die Taten verjährt sind. Dies sind sie eben nur, weil oft genug die Oberen, soweit sie davon wussten, damals geschwiegen haben und den Täter in andere Kirchenbezirke versetzten. Die Vertuscher im Amt sollten gleich mit angeklagt werden, das ist ja unvorstellbar, dass die Kirche sich über Recht und Gesetz gestellt hat!!! Mit diesen Handlungen haben Kirchenvertreter die Glaubwürdigkeit einer moralischen Instanz im Staat in Frage gestellt und zugleich bei der Bevölkerung, jüngsten Umfragen zufolge, massiv an Vertrauen verloren.
Früher noch als “Einzelfälle” seitens der Kirchenoberen abgetan, zeigt es sich jetzt, dass solche dummen Sprüche nichts anderes waren, als Naivität. Schlimmeres wage ich an dieser Stelle nicht zu behaupten… :evil:

Apropos “moralische Instanz”?

Frau Käßmann, zu Beginn der Woche noch Vorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) und Bischöfin in Hannover, hatte am letzten Wochenende zuviel Wein konsumiert. Leider ließ sie sich aber nicht davon abhalten, noch mit dem Auto nach Hause zu fahren und zack…war die rote Ampel übersehen und die Polizei auf sie aufmerksam geworden.

Der Skandal war da und mein Gedanke war sofort: Rücktritt ohne wenn und aber!

Ich habe ausgesprochen große Sympathien für Frau Käßmann. Sie ist keine/r der Kirchenvertreter/innen, die dumme oder naive Parolen verbreitet. Ihre Kritiken sind immer gut überlegt, aber für jeden einfachen Menschen verständlich in wenige Worte verpackt.
Ihre Berufung an die Spitze der EKD war sogar im Ausland umstritten und führte zu Konsequenzen (weil sie geschieden ist!), aber ich fand den Mut der EKD-Vertreter bewundernswert, einen solchen Menschen in das Amt der Ratsvorsitzenden zu wählen.

Nun hatte Frau Käßmann getan, was ein würdevoller Vertreter einer moralichen Instanz im Staate, eben nicht tun sollte. Trotz ihrer einmaligen Persönlichkeit, ich fand den Rücktritt korrekt und dennoch war er bedauerlich!

Selbstverständlich dürfen wir Normalbürger an Persönlichkeiten, die den Staat oder Organisationen wie die Kirchen, vertreten, besondere Maßstäbe ansetzen.
Wer sonst soll denn Vorbild im Verhalten sein, wenn nicht diese Leute, die zugleich für sich, für ihr Amt in Anspruch nehmen, den mahnenden Zeigefinger erheben zu dürfen???
Wo bliebe das gesellschaftliche Wertesystem?
Wer sonst könnte es besser definieren, wenn nicht Menschen wie Margot Käßmann, die selbst mit dem Rücktritt aus ihren Kirchenämtern noch Würde, Selbstkritik und Verantwortung zeigt, was in den letzten Jahren wohl ohne Beispiel in unserer Gesellschaft ist! RESPEKT!!!

Während immer mehr einzelne Bürger die Vorteile unserer Gesellschaft und zuweilen auch der ihnen anvertrauten Ämter zu ihren Gunsten nutzen, während sie sich den Nachteilen zu entziehen versuchen, zeigte uns Käßmann mit ihrem Handeln, was guter Stil und Anstand im öffentlichen Amt sind, ohne dabei an mögliche Vorteile für sie selbst zu denken.

Dass viele Medien die Frage aufwarfen, ob der Käßmannsche Fehltritt einen Rücktritt erfordert, finde ich zutiefst bedenklich, zeigt es uns doch, dass die stilistisch gefühlt korrekte Erwartungshaltung (Rücktritt) als anerkanntes, verantwortungsvolles Verhalten, in manchen Redaktionen dem persönlichen Empfinden von intensiver Sympathie , wohl untergeordnet wird. Hier geht es nämlich gar nicht um den Vergleich einer Tat mit der guten Arbeit der betroffenen Person, sondern vielmehr um die nun folgende Aussenwirkung der Person, der ein derartiges Amt zugeordnet ist.
Wie hätte Frau Käßmann (verbal) wieder den Finger erheben können, ohne sich von diversen Seiten gleich dem Vorwurf aussetzen zu müssen, sie solle sich doch erstmal an die eigene Nase fassen? Allein diese Tatsache machte eine Weiterarbeit für sie unmöglich. Ich kann als “Sünder” schlecht mahnen und kritisieren, so ist das eben.

Wenn sie aus der ganzen Sache überhaupt stilvoll herauskommen konnte, hat sie genau den richtigen Weg gewählt. Damit hat Frau Käßmann nur die positive Einschätzung Vieler zu ihrer Person bekräftigt. Wer derart entscheidet, hat sich die Anerkennung als moralische Instanz, nicht im Amt, aber als Person mit verzeihbaren Fehlern, verdient.
Ihren Worten, Ratschlägen und Mahnungen wird in der Gesellschaft auch weiterhin Aufmerksamkeit geschenkt werden und wer, wenn nicht sie, hat ein größeres Recht, diese in der Zukunft äussern zu dürfen???

Es war ein Rücktritt, der schmerzte, nicht weil Margot Käßmann im Amt unersetzbar wäre, sondern weil sie ein ganz besonderer Mensch mit einem seltenen Charakter und einem besondern Verständnis von Verantwortung ist und dies auch noch mit der Art ihres Abganges aus dem Amt unterstrich.

Menschlich ist sie tatsächlich kaum ersetzbar, denn von diesen Menschen haben wir in der Gesellschaft und in öffentlichen Ämtern, leider viel zu wenige! Und das ist, was uns als Erkenntnis plötzlich schmerzhaft bewusst wurde… :-(

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