DAS WEISSE BAND

Dieser Film ist keine Produktion, er ist ein Kunstwerk! Das ist mein Fazit und erster Eindruck, nachdem ich den Kinosaal verlassen habe.

Berührt hat mich DAS WEISSE BAND nicht allein. Von den umherstehenden Besuchern des Films höre ich ähnliche Beschreibungen ihrer Emotionswelt, wie ich sie während der vergangenen 148 Minuten auch erlebt habe. 

Es ist ein Schwarz-Weiß-Film und der Film ist düster. Gegen Ende frage ich mich, ob er tatsächlich so musikfrei war oder ob die musikalische Untermalung so genial unauffällig gewesen sein kann, dass ich mich nicht an sie erinnere? 

1913. Die Ereignisse in einem kleinen Dorf werden erzählt. Das Dorf, irgendwo in Deutschland ein Jahr vor Kriegsausbruch, ist malerisch, die Ausstattung hat die Optik des Films realistisch in die Kaiserzeit verlegt. Manchmal fühlte ich mich der Stimmung nach in einem Zwitter aus DER NAME DER ROSE und der TV-Serie HEIMAT (vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere daran *smile*).

 In den ersten Minuten des Films kommt es zu einem Unfall, dann bringt ein Todesfall die bisher harmonische Welt der Dorfbewohner und des Gutsherrn völlig aus dem Gleichgewicht! Das gegenseitige Misstrauen wächst,Gerüchte und Denunziationsversuche geben ihr Übriges. Der Zuschauer darf mitspekulieren und erfährt im Laufe der Handlung so Einiges über die achso gutbürgerlichen Verhältnisse in einigen Familien des Dorfes. Da tun sich Abgründe auf… 

Der Film ist ruhig, fast zu ruhig, wäre da nicht diese ungemeine Spannung, die der Zuschauer als dauerhafte Beklemmung empfindet, unter anderem ausgelöst durch Unterordnungsbekundungen der Kinder ihrem „Herrn Vater“ gegenüber. Für mich ein fast unerträgliches Verhältnis zwischen Eltern und Kindern. Und dann diese Institution Kirche, die als moralische Instanz gezeigt wird, natürlich vielfach überzogen, aber durchaus nachvollziehbar realistisch, wenn der Vater, der Dorfpfarrer, seine Kinder mit einem Stock verdrischt! 

Ja, düster und beklemmend, in Kombination mit einer hervorragenden Kameraführung und dem Schwarz-Weiss-Effekt, ist, was den Film zu einem außergewöhnlichen Streifen macht und weshalb ich die OSCAR-Nominierung (endlich mal kein Film, der sich mit der braunen Diktatur beschäftigt!) gut nachvollziehen kann! 

Was mich im ersten Moment etwas irritierte, und nicht nur mich, war das rasche Ende des Films. Zunächst ließ der Film viele Fragen offen, aber eigentlich, nach einer kurzen Denkphase, wurde mir klar, dass die Antworten schon gegeben worden waren… ;-)  

Klasse gemacht und der Film erhält von mir 4 von 5 Punkten. Nochmal sehen möchte ich ihn allerdings nicht so schnell, was nichts mit der Qualität zu tun hat, sondern mit der vermittelten Stimmung. So schaue ich z.B. auch SCHINDLERS LISTE nicht mehr im TV, obwohl er einer der besten Filme der Geschichte ist, aber er ist mir schlicht zu stimmungstötend :-)

DAS WEISSE BAND (Blu-ray) sollten sich alle anschauen, die einen interessanten Einblick in die deutsche Gesellschaft des Kaiserreichs bekommen möchten. Fand ich sehr aufschlussreich. Und natürlich ist die Machart faszinierend. Der Film löst beim Zuschauer was aus und das sind durchaus intensive Gefühle…viel Spaß dabei ;-)

TRAILER zum Film

WEBSITE DES FILMS

Meine persönliche Wertung:

von 5 Punkten

5 Punkte: Die DVD kauf ich mir, wenn der Film raus kommt
4 Punkte: DVD schau ich mir nochmal an, bei Gelegenheit
3 Punkte: Eher was für den Kinotag, evtl. nochmal was fürs Free-TV
2 Punkte: geht nicht mal am Kinotag als gut durch
1 Punkt : Boah, was ne Zeit- und Geldschverschwendung!
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