Urgesteins Sicht auf das WWW

Ein wirklich interessanter Artikel auf SPIEGELonline, zeigt uns die Meinung und aktuelle Sicht des Computer-Pioniers Jaron Lanier auf den derzeitigen Zustand des Internets, seiner User und diversen Kulturen. Bei vielem stimme ich zu, einiges empfinde ich anders HIER NACHLESEN

Gleich die erste Antwort Laniers bestätigt meine Erfahrungen. Da werden User in Foren, die sachlich kritisieren, plötzlich verbal “geschlachtet” und beschimpft, weil einigen Primaten deren Meinung schlicht nicht gefällt. Diskussionskultur im www? Nur wenn ein solches Forum anständig moderiert wird und das ist meist sehr zeitaufwändig für den Betreiber und daher selten korrekt umgesetzt.

Aktuelles Beispiel ist Nils von IKEA, der gerade per Live-Webcam einen Raum neu einrichtet. Auf DIESER Cam-Site hat man die Möglichkeit zu chatten und anzurufen. Die Anrufer legen meist wieder auf, dumm sowas. Und bei den Chattern dauerte es nicht lange, bis der/die erste anfing mit “Ausziehen, Nils!”. Jau, dazu nutzen viele das Internet und sie scheinen nicht mehr die Unterschiede der thematischen Vielfalt des Internets zu begreifen! :-P

Lanier: Der Niedergang begann mit dem Versuch, im Netz Geld zu verdienen.

Da bin ich anderer Meinung! Mit dem Internet wurde schon immer Geld verdient und wenn es nur der Verkauf des Zugangs war ;-) Dann kam die Porno-Industrie, dann zahlreiche andere Versuche und nicht alle scheiterten. Wer es schafft, im Net Vertrauen aufzubauen und Qualität anbietet, bekommt auch seine Produkte verkauft.
Ich bin eher der Meinung, dass der Grund des asozialen Verhaltens im Net damit zusammenhängt, dass im www kaum noch richtige Werte wie Respekt und Achtung vor dem Anderen, Ehrlichkeit oder Authentizität zu finden sind. Viele glauben einfach, sich wie alle anderen verhalten zu müssen…zu dürfen! Es fehlt ein Führerschein für das Internet, bei dem jeder User erkennt, dass er eben kein anonymes Wesen (IP-Nummer) in einer anderen Welt ist, sonder über ein Netzwerk mit anderen Menschen digitalsozial verbunden ist. Und das mit allen Folgen und Konsequenzen für asoziales Verhalten!
Geld verdienen ist überall etwas ausgesprochen legales und erstrebenswertes, denn “money makes the world go round”, ob wir das nun wollen oder nicht! Basta!

Lanier zu Facebook und soziale Netzwerke: Das Problem haben eher die Jungen. Auf sie kann das Facebook-Modell, was ein Freund ist und worum es im Leben geht, einen großen Einfluss haben.

Da gebe ich ihm absolut recht! Nicht nur die Jungen meinen heutzutage, nach vier bis 100 Chat-Messages schon einen treuen, loyalen, neuen besten Freund gefunden zu haben, ohne ihn/sie je live getroffen zu haben! Wie erschreckend! Wer weiss, was richtige Freundschaften sind, ist von diesem hohen Anspruch an das Wort geprägt und weiss ganz sicher zu differenzieren.

SPIEGEL: Kann sich denn nicht jeder im Internet so darstellen, wie er es gern hätte?

Lanier: Nein, das Netz lässt nur Konformismus zu. Es belohnt Leute, die in soziale Normen passen. Wer sich außerhalb der Norm bewegt, kann schnell zum Opfer werden. Wir haben inzwischen ein riesiges Problem mit Cyber- Mobbing. Hinzu kommt, dass es das Netz nicht erlaubt, sich selbst neu zu erfinden. Es vergisst nichts.

Auch hier stimme ich Lanier nur teilweise zu. Natürlich darf, kann und muss man im Net individuell sein. Es kommt dabei aber auch auf die innere Stärke des Menschen an. Kann ich zu dem stehen, was ich sage/schreibe, äussere ich natürlich meine Meinung auch dann, wenn ich weiss, dass sie angreifbar ist und die “Meute” sich, wenig argumentativ, darauf stürzt. Ich bin in einem demokratischen Staat aufgewachsen und mag die Streit- und Diskussionskultur beim Austausch von sachlichen Argumenten. Aber was erwarten wir, wenn ich mir schon im realen Leben nach zwei Sätzen einer Diskussion von dritter Seite anhören muss: “Hört doch auf zu streiten, nicht, dass Ihr Euch gleich noch richtig zofft!” Hä? :mrgreen:

Sich neu erfinden ist nicht möglich? Auch hier möchte ich Lanier widersprechen. Natürlich “vergisst” das Netz nichts, aber man entwickelt sich nicht für andere Individuen weiter, sondern in erster Linie für sich selbst! Ob andere einem etwas Neues abnehmen oder nicht, interessiert mich doch gar nicht. Es kommen neue Menschen hinzu, die nur dieses Neue von dir kennen und werden sie mit dem Alten konfrontiert, interessiert es niemanden, weil das nicht zu deren Themenbereich gehört, für den sie sich bei dir interessieren. Darüberhinaus sollten wir jedem Menschen ein gewisses Maß an Weiterentwicklung zugestehen ;-) Der eine schafft es, der andere nicht…

Als Fazit möchte ich sagen, dass ich langsam dahin tendiere, Verhaltensregeln für das Internet zu fordern. Manche User/Surfer sind dermaßen penetrant und fast schon unerträglich, dass ich mir von Eltern wünsche, ihren Kindern erst einmal das normale Leben und Verhalten näher zu bringen, bevor sie ihren Zöglingen klar machen, dass man sich auch im www so verhalten sollte, wie im realen Leben! Das ist die einfachste Art, sozialkonform mit anderen Menschen via WWW in Kontakt treten zu können, ohne ihnen vor denm Kopf zu stoßen.

Laniers Aussagen zu den Urheberrechten finde ich übrigens äusserst interessant, gerade in Hinblick auf die Übermacht einiger einzelner Firmen im Internet! ;-)

Und Deine Meinung dazu? :-)

.

Tags: , ,

Kommentar schreiben

Benutzer müssen registriert und eingeloggt sein, um zu kommentieren.
Einloggen

 

Januar 2010
M D M D F S S
« Dez   Feb »
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031

Archive

Meinungen