Als ehemaliger Mitarbeiter im Medienbereich ist mir noch allzu gut bekannt, dass man sich der Medien nur dann bedienen sollte, wenn sie einem gewogen sind und selbst dann ist noch nicht sicher, ob der Bericht anschließend objektiv und günstig im Sinne des Nutzers ausfällt
Der Bundesvorsitzende der PiratenPartei, Dirk Hillbrecht, traf in der Sendung UNTER DEN LINDEN beim TV-Kanal PHOENIX gleich auf zwei Männer, die sein Denken nicht nachvollziehen konnten…oder wollten.
Der eine war Professor Rupert Scholz, Staatsrechtler und ehemaliger Justizsenator Berlins, der andere der Moderator der Sendung, Christoph Minhoff.
Die ganze Sendung über fühlte ich einen immensen Unterschied im Denken dieser beiden Gesprächs-Parteien. Dass sich der Moderator dabei allzu sehr auf die Seite Scholz’ schlug, finde ich aus rein journalistischer Sicht eher bedauerlich und wenig professionell. Minhoff hätte bei weitem mehr aus der Sendung holen und ein gelungeneres Streitgespräch provozieren können.
Das Thema der Sendung “Unter Piraten – Wem gehört das geistige Eigentum”, war eher eine interessante Frage-Antwort-Sendung zum Programm und zur Existenzberechtigung der PiratenPartei Deutschlands als eine thematisch bezogene Debatte.
Hillbrecht merkte man an, dass er kein Medienprofi ist, aber bedenken wir dabei, dass die PiratenPartei Deutschlands eine junge Partei ohne großartige Profis in ihren Reihen ist. Es sind Bürger, denen es um ihre demokratischen Rechte geht und dafür hat er sich beachtlich geschlagen!
Hillbrecht wirkte während der 45 Minuten ruhig, in weiten Teilen souverän und gefestigt, was seine Meinungen angeht. Er war überzeugend in seiner Argumentation, auch wenn er zum Thema Twitter besser gelogen oder sich vor der Sendung einen Account angelegt hätte. Der Verweis auf den Account der PiratenPartei wäre sicher ein guter Zug gewesen
Auch beim Thema Tauss und seiner Mitgliedschaft in der PP, wäre der Hinweis auf die Unschuldsvermutung, die zunächst einmal jedem Bürger zusteht, gut gewesen. Bei der Frage nach Konsequenzen einer möglichen Verurteilung Taus’, hätten die Statuten der Partei eine gute Argumentation geliefert. So las ich gestern, dass Tauss in dem Fall wohl eh die Partei verlassen muss.
Ansonsten las ich gerade schon, Hillbrecht hätte mehr mit der technischen Überlegenheit gegenüber seinen Gesprächspartnern argumentieren sollen. Ich fand, bei all dem Gerede über Urheber- und Nutzungs- bzw. Verwertungsrechte, war es dem Laien eh schon sehr schwer, folgen zu können. Bei dieser Sendung brauchte man wirklich ein wenig Brain
Rupert Scholz vermittelte zeitweise den Eindruck arroganter Überlegenheit und der Gesichtsausddruck schien zu sagen:”Mit was für einem Amateur muss ich mich hier eigentlich rumschlagen?” Da war sie wieder…diese Möchtegern-Überlegenheit der sogenannten etablierten Politiker ![]()
Und doch offenbarte nichts mehr die altmodische Denkweise des Staatsrechtlers Scholz, als die Diskussion um Patente, Urheberrechte und die sich veränderten Verdienstmöglichkeiten von Musikern im Umfeld der Internet-Freiheiten des oftmals kostenfreien Downloads von Musikstücken.
Wer genau hinhörte und sich für einen Augenblick vom rechtlichen Status Quo lösen konnte, merkte deutlich, dass auf dem Stuhl links aus Sicht des Moderators der modernere Denker, der Realo saß, der genau wusste, wovon er sprach, wenn es um “Folgeschäden” für die Medien-Konzerne durch Internet-User ging, während auf der rechten Seite Scholz mit althergebrachten Argumentationen ins Feld zog, die auch von der Musik- und Film-Industrie seit Jahren hilflos in den Raum geworfen werden.
Es war wie die Diskussion zweier Generationen: Die ältere, die bei den Argumenten der jüngeren hochnäsig die Augenbrauen hochzieht und die jüngere, die versucht mit Argumenten zu überzeugen, die bei den älteren aber nicht ankommen können, weil die gar nicht die Technik, den Umgang mit dem neuen Medium im Detail verstehen und die immensen Möglichkeiten des Netzes noch gar nicht verstanden haben!
Und das wird leider auf absehbare Zeit auch noch so bleiben!
Lasst uns mal nicht zu sehr auf den Bundesvorsitzenden der PiratenPartei herumhauen, sondern lieber die positiven Aspekte hervorheben
Den Vorschlag, Rhetorik-Kurse zu besuchen oder gar Medien-Trainer zu engagieren, wie ich in Hillbrechts Blog schon lesen konnte, finde ich gut, weil es im Ergebnis zu noch überzeugenderen Auftritten führen kann. Denn eins ist klar: Weil die anderen unsere Denkweise nicht verstehen (können/wollen), werden sie versuchen, uns Internetter und die Piraten in die Ecke von Spinnern und Naivlingen zu stellen und darauf müssen wir verbal vorbereitet sein
Denn wir sind real denkender, als so manch einer glaubt…
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